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Insolvenz bedeutet nicht gleich das Aus

Zweite Chance für TCLOG Logistics

Erfolgreiches Sanierer-Duo: Insolvenzverwalter Sven-Holger Undritz (rechts) und Unternehmensberater Thorsten Schneider. (Bild: Sebastian Reimann)

Von Sebastian Reimann, Hamburg

17.01.2012 | Der Gesetzgeber überarbeitet derzeit das Insolvenzrecht. Ziel: Es soll pragmatischer und realitätsnäher werden und dem Insolvenzplan als Sanierungsinstrument mehr Gewicht geben. Bei TCLOG Logistics wurde es angewendet, nachdem das Unternehmen Ende 2010 Insolvenz anmelden musste. Mit Erfolg – der Sanitätshauslogistiker ist wieder auf Wachstumskurs.

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Die Insolvenzzahlen in der Transport- und Logistikbranche sind traditionell hoch. Allerdings stellt sich immer die Frage, wie viele der Unternehmen, die Insolvenz anmelden müssen, tatsächlich vom Markt verschwinden, weil sie nicht saniert werden können oder sich kein Investor findet. Offizielle Zahlen dazu gibt es nicht. Schätzungen zufolge kann aber nicht einmal jedes dritte Unternehmen gerettet werden, auch weil viele Anbieter erst viel zu spät ihr Schicksal in die Hände eines erfahrenen Insolvenzverwalters legen. Mitunter allerdings gelingt eine Sanierung, beispielsweise mit Hilfe eines Insolvenzplans. Dies zeigt das Beispiel der TCLOG Logistics GmbH aus Norderstedt bei Hamburg.

Der 2003 gegründete Anbieter ist auf Hilfsmittellogistik spezialisiert. Vor allem für Sanitätshäuser wickelt er mehr als 100.000 Sendungen pro Jahr ab. Transportiert wird alles von der Matratze über die Gehhilfe bis zum Rollator. Vor dem Hintergrund einer alternden Gesellschaft und des medizinischen Fortschritts ist dies eigentlich ein vielversprechender Wachstumsmarkt. Trotzdem musste das Unternehmen am 28. Oktober 2010 Insolvenz anmelden. Am 30. Dezember des gleichen Jahres wurde das Insolvenzverfahren eröffnet.

Mitarbeiterschwund

Wie kam es dazu? Dass TCLOG beim Amtsgericht vorstellig werden musste, hatte ausnahmsweise einmal nichts mit der Wirtschaftskrise zu tun, sondern mit einem Krankheitsfall in der Unternehmensführung. Der Unternehmensgründer und Geschäftsführer fiel infolgedessen längere Zeit aus. Erschwerend hinzu kam, dass auf einen Schlag neun Mitarbeiter und ein Prokurist das Unternehmen verließen, um ein Konkurrenzunternehmen aufzuziehen. Die Folge: TCLOG war führungslos, die verbliebenen etwa 20 Mitarbeiter vollkommen überlastet, die Insolvenz die fast schon logische Folge.

Die Aufgabe, das an sich gesunde Unternehmen wieder flottzumachen, übernahm der Hamburger Insolvenz­verwalter Sven-Holger Undritz. Er ist Partner bei der Kanzlei White & Case und in der Logistikbranche kein Unbekannter. Zuvor hatte er unter anderem Paul Günther und Nielsen & Soe­rensen zurück in die Spur gebracht.

Bei TCLOG musste er schnell handeln. "Der Chef stand schon am Faxgerät und informierte die Kunden über die Pleite", blickt er zurück. Das wurde sofort gestoppt und die Kunden stattdessen auf die anstehende Sanierung hingewiesen und zur Mithilfe aufgefordert. Das eigentliche Problem war allerdings, dass Personal fehlte und die Arbeitsabläufe suboptimal waren. Um diese Probleme schnell in den Griff zu bekommen, holte sich Undritz die Unterstützung des Unternehmensberaters Thorsten Schneider. Er ist auf das Interimsmanagement bei Logistikunternehmen spezialisiert und beschaffte schnell geeignetes Personal – unter anderem einen zweiten Geschäftsführer. Ferner unterzog er die Arbeitsabläufe einer "schonungslosen betriebswirtschaftlichen ­Analyse", wie er sagt.

Heute ist das Unternehmen gesund. Die mittlerweile wieder 23 Mitarbeiter sind für mehr als 950 Kunden aktiv, darunter die Gruppen Reha-Service-Ring, RehaVital, SaniAktuell, Cura-San, Egroh sowie unterschiedliche Orthopädietechnik-Fachverbände, Innungen und ungebundene Sanitätshäuser. Der Umsatz bewegt sich wieder im einstelligen Millionenbereich, das Sendungsaufkommen ist 2011 um 13 Prozent gestiegen. Ferner hat das Unternehmen mit TCLOG Complete ein neues Produkt auf den Markt gebracht, in dessen Rahmen es für seine Kunden auch die Abrechnung mit den Krankenkassen übernimmt.

Gläubiger mit im Boot

"TCLOG ist wieder auf Wachstumskurs und für die Zukunft gut aufgestellt", freut sich Insolvenzexperte Undritz. Ferner gelang ihm eine Einigung mit den Gläubigern. Am 25. Oktober 2011 haben sie einen Insolvenzplan verabschiedet, der ihnen eine Quotenzahlung von gut 70 Prozent auf ihre Forderungen zusichert. "Das ist eine sehr gute Quote", unterstreicht Undritz, "normalerweise sind es 5 bis 6 Prozent". Lohn der Arbeit: Undritz ist bei TCLOG nun raus. Am 28. Dezember wurde im Bundesanzeiger vermeldet, dass das Insolvenz­verfahren nach rechtskräftiger Bestätigung des Insolvenzplans aufgehoben sei.

Neue Insolvenzmeldungen im Bundesanzeiger kommen indes beinahe tagtäglich hinzu. Und es wird wohl auch so bleiben. Zwar wurden im ersten Halbjahr 2011 deutlich weniger Insolvenzen angemeldet als im Vergleichszeitraum 2010. Seitdem hat sich der Rückgang aber verlangsamt, und: "Die Unternehmensinsolvenzen werden in Kürze wieder steigen", unterstreicht Christoph Niering, Vorsitzender des Insolvenzverwalterverbandes VID.

Diesem erneuten Anstieg bei den Pleitezahlen kann sich auch die Transport- und Logistikbranche nicht entziehen. Der Kreditversicherer Euler Hermes wies erst jüngst wieder auf das hohe Insolvenzrisiko in der Branche hin (DVZ 29.12.2011, Seite 3). Demnach werden im kommenden Jahr auf 1000 Unternehmen 25 Insolvenzen kommen. Und die Wirtschaftsauskunftei Creditreform unterstreicht, dass das Risiko eines Zahlungsausfalls fast doppelt so hoch ist wie im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt. Insolvenzverwalter wie Sven-Holger Undritz haben weiterhin gut zu tun. DVZ 14.1.2012

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