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Verkehrsministerium erwartet 400 Testfahrzeuge

Verbände zum Feldversuch: "Es wird Zeit, dass es endlich losgeht"

Die Teilnahme der Lang-Lkw am Feldversuch ist an bestimmte Bedingungen geknüpft. Unter anderem müssen die Fahrzeuge Kombi-fähig sein. (Foto: Bergrath)

18.08.2011 | Spätestens Anfang 2012 sollen die ersten Lang-Lkw im Rahmen des geplanten Feldversuchs auf deutschen Straßen rollen. Dies ist aus dem Entwurf der Ausnahmeverordnung zu schließen, den das Bundesverkehrsministerium erarbeitet hat. Verkehrs- und Wirtschaftsverbände sind sich einig: Es wird Zeit, dass es endlich losgeht.

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Auch wenn der Feldversuch deutlich geschrumpft sei, müsse er nun so schnell wie möglich gestartet werden, fordert Prof. Karlheinz Schmidt, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL). „Wir brauchen bei der europäischen Diskussion um Maße und Gewichte im Güterkraftverkehr einen deutschen Beitrag, sonst entscheiden die anderen Länder ohne uns, wie es weitergeht“, warnte Schmidt gegenüber der DVZ. Positiv sei, dass der Versuch durch die Begrenzung auf zwei Fahrzeuge pro Unternehmen breit aufgestellt ist, denn „wir wollen ja wissen, wie sich die neuen Fahrzeuglängen im Tageseinsatz auch bei kleinen Unternehmen bewähren“.

„Endlich tut sich was in Sachen Lang-Lkw“, freut sich auch Mathias Krage, Präsident des Deutschen Speditions- und Logistikverbandes (DSLV). „Viele Mitglieder des DSLV befinden sich seit Wochen in den Startlöchern, um die Umwelt- und Verkehrstauglichkeit dieses innovativen Nutzfahrzeuges unter Beweis zu stellen." Krage ist sich sicher, dass die Ergebnisse des Feldversuches die meisten Bedenken der Gegner des Lang-Lkw zerstreuen werden. „In meinen Augen wird vielfach Panikmache auf Basis von Unwissen und Halbwahrheiten betrieben.“ So sei weder der Einsatz von 60-Tonnern geplant, noch sind die Lkw für den innerstädtischen Bereich vorgesehen. „Wir fahren mit bis zu 44-Tonnen innerhalb der bislang üblichen Gewichtsgrenze auf ausgewählten Fernverkehrsrouten. Unsere Fahrer sind geschult, die Fahrzeuge mit zusätzlicher Sicherheitstechnik ausgestattet. Zwei Lang-Lkw ersetzen drei herkömmliche Gespanne und sparen schätzungsweise zwischen 15 und 30 Prozent Diesel und CO2-Emissionen. Was ist daran falsch“, fragt der DSLV-Vorsitzende und fordert auch die Regierungen der bislang ablehnend eingestellten Bundesländer dazu auf, an dem Versuch teilzunehmen.

"Nur wer ausführliche Tests gemacht hat, kann fundiert über neue Lkw-Abmessungen entscheiden", betont denn auch Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), in seiner Stellungnahme. „Wir können mit einer sinnvollen Anpassung von Maßen und Gewichten die Kapazität des Straßengüterverkehrs mit vergleichsweise einfachen Mitteln erhöhen. Wenn statt drei herkömmlicher Lkw nur noch zwei Lang-Lkw für das gleiche Transportvolumen benötigt werden, sind bis zu 30 Prozent Kraftstoffersparnis möglich. Der Lang-Lkw ist deswegen ein echter Ökolaster“, betonte Wissmann. Lang-Lkw hätten bereits in vereinzelten Tests in einigen Bundesländern, aber auch im Ausland, beispielsweise in Skandinavien und den Niederlanden, ihre ökologischen, ökonomischen und verkehrlichen Vorteile sowie ihre Verkehrssicherheit unter Beweis gestellt.

Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen e.V. (BGA) bezeichnete den Test als "wichtigen Meilenstein auf dem Weg zu objektiven Ergebnissen über die Vor- und Nachteile des EuroCombi". Wer angesichts bereits seit Jahren feststehender Fakten noch gegen den Feldversuch sei, kommentiert der Verband in einer Pressemitteilung, "nimmt zwingend in Kauf, dass beim prognostizierten Verkehrswachstum von 70 Prozent bis zum Jahr 2015 die Lkw-Dichte weiter dramatisch zunimmt und schwere Unfälle hieraus resultieren können". Ebenso würden ohne diese Fahrzeuge die CO2 Emissionen stark ansteigen.

Dieter Schweer, Mitglied der Geschäftsführung des Bundesverbandes der deutschen Industrie e.V. (BDI) begrüßte den Verordnungsentwurf als "ein wichtiges Signal für die deutsche Wirtschaft, damit der Feldversuch mit dem Lang-Lkw nun rasch beginnen kann". Der BDI sei davon überzeugt, dass Lang-Lkw einen wesentlichen Beitrag zur Effizienzsteigerung im Straßengüterverkehr leisten und den Kombinierten Verkehr stärken können.


Testfahrzeuge müssen Kombi-fähig sein

Nach Schätzungen des Ministeriums werden zirka 400 Fahrzeuge an dem Test teilnehmen. Der ist an bestimmte Bedingungen geknüpft. So dürfen pro Unternehmen maximal zwei Fahrzeugeinheiten mit bis zu 25,25 m Länge getestet werden. Das zugelassene Streckennetz ist in einer Anlage festgeschrieben. Es enthält derzeit – auf Basis von Ländervorgaben – 64 Autobahn- und 21 Bundesstraßenstrecken. Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Thüringen haben auch nachgeordnete Straßen gemeldet. Streckenkorrekturen und -ergänzungen seien noch bis zum 2. September möglich, betont das Ministerium.

An dem Versuch wollen nach derzeitigem Stand sieben Bundesländer teilnehmen: Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Hessen, Bayern, Sachsen und Thüringen. Interessant: Zwar ist Baden-Württemberg nach dem Regierungswechsel offiziell aus dem Feldversuch ausgestiegen, dennoch taucht die A 7 in dem Netz in voller Länge von Dänemark bis Österreich auf – obwohl Teilstücke durch Baden-Württemberg führen.

Neben technischen Anforderungen an die Fahrzeuge und persönliche Anforderungen an die Fahrer sieht der Entwurf ein Überholverbot für längere Fahrzeugkombinationen vor. Zudem müssen sie im Kombinierten Verkehr einsetzbar sein. Achslasten oder Gesamtgewicht würden nicht erhöht, betont das Verkehrsministerium ausdrücklich. Das heißt: Es bleibt bei einem Gesamtgewicht von 40 t, mit Ausnahme der im Zu- und Ablauf zum Kombinierten Verkehr geltenden 44 t.

Das Ministerium geht davon aus, dass die Verordnung nicht der Zustimmung des Bundesrats bedarf. Das sieht die Allianz pro Schiene anders: Sie will die Ausnahmeverordnung auf ihre Zulässigkeit hin prüfen lassen.

Die Verbände haben nun bis zum 2. September Zeit, zu dem Entwurf Stellung zu beziehen. Mitte September ist ein Treffen der Staatssekretäre aus den Länderverkehrsministerien vorgesehen. Zudem wird das Thema auf der Länderverkehrsministerkonferenz am 5. und 6. Oktober in Köln auf der Tagesordnung erwartet. (la, sm)

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