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Flughafen Parchim

Landkreis greift Chinesen unter die Arme

12.05.2010 | Fast drei Jahre nach dem Verkauf des Flughafens Parchim erlässt der Landkreis dem chinesischen Investor einen Großteil des noch ausstehenden Kaufpreises. Von den 17,75 Mio. Euro, die die Logistik-Gruppe LinkGlobal noch dem Landkreis schuldet, muss das Unternehmen lediglich 5 Mio. Euro in bar zahlen - gestreckt über fünf Jahre.

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Eine entsprechende Änderung des Kaufvertrages habe der Kreistag am Dienstag beschlossen, wie die Landkreisverwaltung am Mittwoch mitteilte. Das von Jonathan Pang geleitete Unternehmen habe sich jedoch verpflichtet, mindestens 7,7 Mio. Euro in den Bau eines neuen Towers zu investieren. Die Stadt Parchim und das Innenministerium müssen der Änderung noch zustimmen.

Der Neuregelung zufolge soll die LinkGlobal-Gruppe den Landkreis ferner beteiligen, wenn sie Gewerbeflächen am Flughafen weiterverkauft. Das gelte für die nächsten zehn Jahre, aber nur dann, wenn der Quadratmeterpreis bestimmte Größenordnungen übersteige. Mit Ausnahme einer Zubringerstraße sei der Investor auch für alle weiteren Erschließungskosten der Grundstücke zuständig. Der ursprüngliche Vertrag hatte einen Kaufpreis von 30 Mio. Euro vorgesehen.

Trotz des Verzichts auf die noch ausstehenden Millionenbeträge wertete Landrat Klaus-Jürgen Iredi (SPD) die Privatisierung des Flughafens als Erfolg. "Mit der LinkGlobal-Gruppe haben wir den richtigen Investor gefunden, der durch Steigerung des Luftfrachtumschlages hier in der Kreisstadt Parchim Arbeitsplätze sichert und neue schafft." Mit der neuen Vereinbarung habe der Landkreis das Machbare erreicht. Das Ergebnis sei ein tragfähiger Kompromiss. Dem Investor sei es "trotz intensiver Gespräche mit chinesischen und deutschen Banken" nicht gelungen, die Finanzierung des noch ausstehenden Kaufpreises zu realisieren. Der Landrat versicherte dennoch: "Wir haben nach wie vor großes Vertrauen in den Investor."

IHK bescheinigt Investoren "Visionen"

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwerin stützte diese Sichtweise. Pang sei ein "Visionär" und habe einen langen Atem bewiesen. "Der Mann hat wirklich Power", sagte die Leiterin des Geschäftsbereichs internationale Standortpolitik, Angela Preuß. Der LinkGlobal-Chef sei "immer präsent", zuletzt auf einer Branchenkonferenz der Logistikwirtschaft in der vergangenen Woche.
Dort habe er chinesische Partner vorgestellt. Es gebe derzeit ganz konkrete Anfragen von chinesischen Investoren, die etwas in Westmecklenburg machen wollten. "Meine Einschätzung ist vorsichtig optimistisch", sagte Preuß.

Die Entwicklung des Flughafens beurteilen IHK und Landkreis positiv. Es seien 29 Mitarbeiter beschäftigt. Von Januar bis April 2010 seien 2390 Tonnen Fracht umgeschlagen worden. Damit sei das Vorjahresergebnis von 1947 Tonnen bereits übertroffen worden. Pang hatte angekündigt, den ehemaligen russischen Militärflugplatz zu einem Luftfracht-Drehkreuz zwischen Asien und Europa auszubauen.

LinkGlobal hatte bei der Übernahme des Flughafens am 1. Juli 2007 nach Angaben des Landkreises 250.000 Euro für seine Geschäftsanteile gezahlt. Dann ließ Pang Fristen zur Zahlung fälliger Raten immer wieder verstreichen. Schließlich gelang es ihm, 13 Mio. Euro durch einen Grundstücksverkauf an die australische Immobilienfirma Goodman aufzutreiben. Goodman überwies 12 Mio. Euro direkt an den Landkreis, rund 1 Mio. Euro ging an die Stadt Parchim.

Kreis verzichtet auf Zinsen

Die Nichteinhaltung der Zahlungsfristen hatte für Pang keinerlei negative Folgen. Der Landkreis berechnete auch keine Zinsen, wie Iredis Stellvertreter Andreas Neumann sagte. Zur Erklärung des Entgegenkommens sagte er: "Was wäre die Alternative? Uns ist keiner bekannt, der mit ähnlichem Geschick und Energie wie Pang den Flughafenbetrieb steigern würde." Neumann verwies auch auf den Lübecker Flughafen, den die Stadt nach dem Willen der Bürger trotz eines riesigen Haushaltsdefizits weiter betreiben soll. Ein Investor ist dort nicht in Sicht. (dpa)

 

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