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Von Kerstin Kloss
Ihre Heimatstadt hat die gebürtige Hamburgerin nie für länger verlassen. Seit 51 Jahren arbeitet sie in der Logistikbranche, von Anfang an im väterlichen Betrieb. "Am 15. März 1958 erfüllt sich mein lang ersehnter Wunsch, meine Lehrzeit in unserer Firma zu beginnen", startet sie ihre Zeitreise in die Vergangenheit. Die wasserblauen Augen strahlen unter der hellgrauen Kurzhaarfrisur.
Aber eine Ausbildung unter der führenden Hand des Vaters und der Finanzleitung der Mutter ist nicht einfach. Privilegien für die Tochter des Chefs gibt es nicht, im Gegenteil. Urlaubsvertretung für die Disposition, morgens um 6 Uhr Fahrzeuge abzufertigen oder abends "den letzten Mann zu spielen" sind selbstverständlich. "Ich fand diese Regelung völlig in Ordnung", sagt Oldehaver.
Schnell wächst sie in die Geschäftsleitung hinein: Sie kommt mit zu Kundenbesuchen, übernimmt früh die Lohnbuchhaltung und ist sehr schnell für den Personalbereich zuständig - inklusive Prozessen vor dem Arbeitsgericht. Zur Belohnung darf sie hin und wieder zu Fiata-Kongressen nach Los Angeles, Moskau oder Neu Delhi.
Alltag im Freihafen
Der Berufsalltag bot wenig Exotisches. Oldehavers Job war, den eigenen Fuhrpark im Nah- und Fernverkehrsbereich mit Aufträgen zu versorgen, zu disponieren und abzurechnen. Hauptsächlich fuhren die Fahrzeuge im Hamburger Freihafen von Schuppen zu Schuppen, um Im- und Exportsendungen für Schiffe aus aller Welt anzuliefern oder abzuholen. "Fast täglich bin ich mit dem Pkw da durchgerast, weil irgendwo Papiere fehlten, die Zollabfertigung nicht in Ordnung, der Fahrer nicht auffindbar war oder eine Umdisponierung stattfand", erinnert sie sich. Der Fernverkehr der Firma fuhr damals im Auftrag der Deutschen Bundesbahn. Deshalb mussten alle Fahrzeuge bundesweit einheitlich lackiert sein, "das Fahrgestell in einem scheußlichen Orange und der Oberbau blau". Vor dieser Farbkulisse wird Oldehaver volljährig: "Meinen 21. Geburtstag habe ich in einer Kurve auf der Landstraße bei Fulda verbracht. Unser Lastzug und die Ladung, bestehend aus Lippenstifthülsen, wurden geborgen", erinnert sie sich an den Unfall.
Aber die äußeren Umstände können noch so widrig sein, die zähe Hanseatin klagt nie. Auch nicht über das Büro, das zunächst in einer notdürftigen Nachkriegsbaracke untergebracht ist. "Dass wir beengt saßen, den eisernen Ofen noch mit Briketts füllen mussten, einen einfachen Waschraum für alle hatten, die Wände dünn und mit bunter Tapetenfarbe bemalt, Scheibengardinen an den einfach verglasten Fenstern hingen - all das war überhaupt kein Grund, sich über die Qualität des Arbeitsplatzes zu beschweren", schmunzelt die inzwischen vierfache Großmutter.
Nervige Verzollungen
Weniger angenehm fand sie "die nervtötenden Verzollungen". Wenn anschließend der Lkw zur Warenabholung nicht pünktlich erschien - "was sehr häufig vorkam", durfte sie in die Oberhafenkantine, sich auf Geschäftskosten eine sogenannte "Abgestaubte" gönnen. Das waren Frikadellen, die seit Tagen getürmt auf der Theke standen und jeden Morgen abgestaubt wurden, bis der Teller leer gegessen war.
Eine erste Zäsur gibt es 1971, als der Vater stirbt. Die 30-Jährige muss mit der Mutter den Betrieb weiterführen. 1980 dann der nächste Einschnitt mit dem Umzug von der Elsastraße in Hamburg-Barmbek in den Stadtteil Steilshoop: "Wir verfügten dort über zirka 3000 Quadratmeter Lagerfläche, ein großzügiges Büro, vernünftige Sanitär- und Umkleideräume für unsere Fahrer, eine eigene Werkstatt für unsere Lkw, und endlich besaß ich zum ersten Mal ein eigenes Büro", zieht sie eine positive Bilanz.
Grenzenlos enttäuscht
1994 der Schock: "Fassungslos, entsetzt und traurig musste ich feststellen, dass mich zwei meiner langjährigen leitenden Angestellten betrogen hatten", erzählt Oldehaver. Menschlich grenzenlos enttäuscht dreht die inzwischen über 50-Jährige in dem fast doppelt so alten Familienbetrieb das Licht aus und gründet die Siebe & Oldehaver Lagerei GmbH. Die neue Spezialisierung auf die Lagerei und das 2005 erweiterte Hochregallager machen die Geschäftsführende Gesellschafterin "ein wenig stolz". Dass ihre Tochter sich für die Speditionsfirma interessiert, gibt Oldehaver ein gutes Gefühl. Alle Hoffnungen richten sich jetzt allerdings auf die vier Enkelsöhne. Die Unternehmerin wünscht sich, "dass aus einem ein hervorragender Spediteur und Kaufmann wird". DVZ 28.2.2009 (kk)
Zur Person
Elke Oldehaver (67) stieg als 17-Jährige in den väterlichen Betrieb ein und lernte Speditionskaufmann. Sie wäre auch gerne Lkw-Testfahrerin geworden. Die Entbehrungen der Gründerjahre waren für die zähe Hanseatin nie ein Anlass, sich zu beklagen.
Das Unternehmen
Die Siebe & Oldehaver Lagerei GmbH in Hamburg beschäftigt 25 Mitarbeiter. Am Firmensitz managt das Familienunternehmen 10.000 Quadratmeter Lagerfläche. In diesem Jahr sollen 2500 Quadratmeter hinzukommen.
Foto: Grundt





