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DVZ.de-Spezial: Fünfter Jahrestag der Tsunami-Katastrophe

Tsunami-Spendenflut fließt in Indonesien

Vorher - Nachher: Fünf Jahre
nach dem Tsunami ist
erstaunliche Ausbauarbeit
geleistet worden. (Bild: dpa)

Von Kerstin Kloss, Hamburg

29.12.2009 | An Weihnachten vor fünf Jahren zerstörte der Tsunami auf der indonesischen Insel Sumatra über 3000 Kilometer Straße, 2000 Brücken und 116.000 Häuser. Den Wiederaufbau in der Provinz Aceh erschwerte anfangs ein jahrzehntealter bewaffneter Konflikt. Bis heute engagieren sich vor Ort Hilfsorganisationen, ihre Logistiker sind dabei besonders gefordert.

Mahmut Muchtar (54), Dorfvorsteher in Alue Deah Tengoh bei Banda Aceh, hatte Glück. Er war auf seiner Honda unterwegs, als er von der gigantischen Flutwelle überrascht und auf ein Hausdach gespült wurde. Stundenlang harrte er dort zusammen mit anderen Überlebenden aus. „Alle 400 Häuser im Dorf wurden zerstört, drei Viertel der Bewohner getötet“, resümiert er.

 

 

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Die Flutwelle nach dem Seebeben der Stärke 9,1 auf der Richterskala am 26. Dezember 2004 riss Menschen, Fahrzeuge, Baumstämme und Schiffe kilometerweit in die Stadt mit. Traurige Bilanz: 70.000 Tote allein in Banda Aceh. Landesweit kamen 168.000 Menschen um, 76.000 wurden verletzt und 518.000 obdachlos.

Trotz bestehender Tsunamigefahr wollten die meisten in Küstennähe wohnen bleiben. Muchtar zufolge sind in seinem Dorf 325 Häuser errichtet worden. Beim Wiederaufbau von Alue Deah Tengoh engagierten sich außer der Behörde für Wiederaufbau, Badan Rehabilitasi dan Rekonstruksi (BRR), auch UN Habitat, das Programm der Vereinten Nationen für menschliche Siedlungen, sowie die internationalen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) Oxfam und World Vision.

3565 neue Häuser

World Vision Deutschland e.V. sitzt in Friedrichsdorf bei Frankfurt. Das christliche Hilfswerk ist eine von zehn deutschen Hilfsorganisationen, die bei einer großen Katastrophe wie dem Tsunami 2004 auf Sumatra bei dem Bündnis Aktion Deutschland Hilft ihre Kräfte bündeln. In Indonesien hat World Vision 3565 Häuser errichtet, im Bezirk Aceh Barat 922.

Die Logistik war knifflig: Sämtliche Baumaterialien mussten über das weitgehend zerstörte Straßennetz aus dem 500 Kilometer entfernten Wirtschaftszentrum Medan beschafft werden. Noch schwieriger waren Hilfseinsätze auf Nias. Auf der Sumatra westlich vorgelagerten Insel waren Fahrbahnen und 400 Brücken zerstört, alle Baustoffe mussten per Schiff von Sumatra geholt werden. Wegen heftiger Stürme verkehrten die Fähren tagelang nicht. Die UN mussten ein zusätzliches Schiff chartern, um die Transportkapazität zu erhöhen.

Inzwischen sind die Straßen mit denen in Deutschland vergleichbar. Allein bis März dieses Jahres seien in Aceh und auf Nias knapp 3700 Kilometer Fahrbahn erneuert worden, steht im BRR-Fortschrittsbericht zum Wiederaufbau vom August. Der Bedarf war mit 3000 Kilometer angegeben, Kosten: fast 4,7 Mrd. Indonesische Rupiahs (umgerechnet 338 Mio. Euro). Für weitere 18,6 Mio. Euro wurden 23 Seehafenanlagen wiederaufgebaut, für 3,3 Mio. Euro 13 Flughäfen und -pisten. Die Mittel kamen zu einem Großteil aus Spenden.

Ein neues Haus in Muchtars Dorf habe im Schnitt 7500 US-Dollar gekostet, gibt Maxwell Sibhensana, Programm-Verantwortlicher bei World Vision in Banda Aceh, Auskunft. „Die Bauarbeiten starteten wenige Monate nach dem Tsunami und waren im Juni 2007 abgeschlossen“, sagt der Simbabwer, der seit drei Jahren vor Ort ist.

Jeder Hilfseinsatz beginnt für Logistiker damit, den Bedarf in sogenannten „assessments“ zu erheben. In Aceh war das schwierig, weil die Provinz bis zum Friedensabkommen zwischen der indonesischen Zentralregierung und der Bewegung für ein unabhängiges Aceh (Gerakan Aceh Merdeka, GAM) jahrelang abgeschottet war. Militär und Polizei ließen internationale Hilfsorganisationen 2004 nur schleppend in die zerstörten Gebiete.

Logistiker gefragt

„Der klassische Speditionskaufmann in Deutschland hat Kontakte, greift zum Telefon, zum Faxgerät. Hier muss man praktisch veranlagt sein“, beschreibt Friedhelm Simon (58) die unterschiedlichen Anforderungen. Der gelernte Schlosser ist als Projektleiter für Help – Hilfe zur Selbsthilfe e.V. für Logistik zuständig. Seit zwölf Jahren arbeitet er für Help, direkt nach dem Tsunami kam er nach Blang Pidie an Acehs Westküste. (kk)

DVZ.de gibt hier Auszüge aus einem großen DVZ-Spezial wieder. Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der DVZ vom 22. Dezember 2009 auf Seite 7.

Spenden: Humanitäre Hilfe auf Sumatra

Für die vom Tsunami betroffenen Länder hat die deutsche Regierung Sondermittel in Höhe von 500 Mio. Euro bereitgestellt. Humanitäre Hilfe leisteten auch NGOs wie die zehn Mitgliedsorganisationen von Aktion Deutschland Hilft, darunter World Vision und Help. Indonesien und sechs weiteren Ländern kamen rund 125 Mio. Euro Spendengelder zugute. 163 Projekte sind abgeschlossen, eine Restsumme von 2,6 Mio. Euro wird 2010 ausgegeben. Aktion Deutschland Hilft sorgt mit einem gemeinsamen Spendenkonto für schnelle Hilfe. So vermeidet das Bündnis Überschneidungen oder Versorgungslücken, zum Beispiel jüngst nach dem schweren Erdbeben bei Padang am 30. September 2009.
World Vision baut auf Sumatra 13 Kinderbetreuungszentren („Child Friendly Spaces“) auf. Dort kümmern sich geschulte Helfer um traumatisierte Kinder und leisten psychosoziale Hilfe. DVZ-Leser können mit einer Spende helfen und zum Beispiel mit einer Geschenk-Urkunde Freude bereiten! Spendenkonto Aktion Deutschland Hilft e.V.: 102030, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 37020500.

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