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Von Kerstin Kloss
Nach den sportlichen Strapazen am Vortag hat sich Susanne Schildknecht freigenommen. Die Managerin sitzt in einem roten Ledersessel und freut sich über ihren Erfolg. Nicht nur ihre blauen Augen strahlen, als sie auf die Hamburger Außenalster schaut. Durch die Glasfront der Bar "Le Ciel", oben in der neunten Etage des Hotels "Royal Méridien", überblickt sie das vom Wolkenspiel glitzernde Wasser. Seit ziemlich genau einem Jahr ist sie jetzt Managing Director Home Delivery bei DHL Supply Chain, der Kontraktlogistiksparte im Konzern Deutsche Post DHL, und trägt die Verantwortung für 2600 Mitarbeiter. Allerdings ruft das Hochgefühl an diesem Montag in erster Linie eine andere Leistung hervor.
In 4:48:25 Stunden hat Susanne Schildknecht den 24. Hamburg Marathon geschafft. An der Alster ging es auch vorbei - "eine wunderschöne Strecke, sehr grün, eine große Herzlichkeit", fasst die Sportlerin ihre Eindrücke begeistert zusammen. Ihr halbes Leben lang läuft die 45-Jährige jetzt schon. 2002 war ihr erster Marathon in Paris, es folgten Berlin und New York. Für die 42,195 Kilometer in Hamburg hat sie seit Weihnachten mindestens zweimal pro Woche trainiert. In der dunklen Jahreszeit sei das eine "Überwindung", meint sie lachend. Nachdenklicher fügt sie hinzu: "Ich bin nicht ehrgeizig, was die Zeit betrifft. Aber das durchzuhalten, ist schon eine große Herausforderung."
Ideen beim Training
Sie profitiert im Job vom Training. Den ganzen Tag über muss sie viel entscheiden, strategische Ideen kommen da manchmal zu kurz. "Ich nehme mir gezielt vor, wenn ich beim nächsten Mal laufe, dann überlege ich mir was zum Produktportfolio oder zur Marktausrichtung. Die Kreativität kommt beim Laufen", erläutert Schildknecht.
Bei ihrem Sport sind Ausdauer und Durchhaltevermögen gefragt - Eigenschaften, die Schildknecht generell für sich beansprucht. Sie sei zäh, sagt sie, etwa wenn sie sich an ihren Start im Deutsche-Post-Konzern erinnert. Damals sollte sie innerhalb von zwei Jahren ein neues Logistikzentrum für jährlich sieben Millonen Brief- und Paketsendungen an den Endverbraucher in Weiden in der Oberpfalz aufbauen. Anfangs sei es schwer gewesen, alle Beteiligten zu motivieren, denn nicht für jeden war die Veränderung positiv - "trotzdem sind alle mitgegangen".
Ihr Team, ihre Beschäftigten sind ihr wichtig. Rückblickend bezeichnet die Marathonläuferin diese Zeit als ein "berufliches Highlight".
Aber die Ausdauersportlerin ist selbstkritisch genug, in ihrer großen Stärke, nachhaltig und beharrlich zu sein, auch eine Schwäche zu sehen. "Man muss auch loslassen, etwas auf sich beruhen lassen", weiß sie. Ohne sich das immer wieder selbst einzuflüstern, käme sie in ihrem Beruf wohl kaum klar. Denn sie arbeitet abwechselnd in drei Büros in Hamburg, Bonn oder Frankfurt. Hinzu kommen Besuche in 16 deutschen Niederlassungen und bei Kunden. Klingt sehr sportlich, an so vielen Orten zu sein - wie kriegt sie das hin" "Terminlich richte ich es so ein, dass sich die Reisetätigkeit nicht von Tag zu Tag ändert. Das funktioniert gut", sagt Schildknecht.
Das war nicht immer so. Die gebürtige Ulmerin, die ihr Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft in Pforzheim mit dem Schwerpunkt Logistik/Beschaffung und Wertanalyse als Diplom-Betriebswirtin abgeschlossen hat, fühlte sich ursprünglich in Süddeutschland zu Hause. Die ersten drei Jahre nach dem Studium arbeitete sie als Assistentin der Betriebsleitung beim Versandhaus Klingel in Pforzheim, anschließend zehn Jahre als Betriebsleiterin der Verlagsgruppe Weltbild in Augsburg. Die Headhunter, die sie für die Post abzuwerben versuchten, bekamen sie nicht gleich zu fassen. "Ich hatte zunächst abgelehnt und dann ein halbes Jahr gebraucht für die Entscheidung", erinnert sie sich.
Schritt ins Leben
In Bayern verheiratet, pendelte sie die ersten Jahre bei DHL zwischen Frankfurt und München, bis zur Trennung. "Es war privat nicht einfach, aber ein Schritt ins Leben. Ich bin mittlerweile sehr flexibel, sehr aufgeschlossen den Aufgaben gegenüber", zieht sie eine positive Bilanz. Ihr neuer Partner lebt in Bonn.
Susanne Schildknecht lacht viel und scheut auch keine Ehrlichkeit, etwa: "Auf dem Weg zu meiner jetzigen Position entsprach wirklich nicht jede Aufgabenstellung meinem Traumjob. Ich bin nicht der Typ, der immer verbissen das nächste Karriereziel verfolgt. Aber ich war immer offen für neue Entwicklungen", sagt sie. DVZ 4.7.2009
Zur Person
Susanne Schildknecht (45) begann ihre Karriere im klassischen Versandhandel. Mit dem neuen Millenium wechselte sie zu Deutsche Post DHL. Die schnelle Geschwindigkeit im Online-Handel hinterfragt sie gern. Das Unternehmen
Der Sektor Home Delivery bei DHL Supply Chain bietet Logistik für den Distanzhandel. Das Leistungsportfolio umfasst Lösungen für Warehousing, Order Picking und Retourenmanagement bis hin zur Distribution der Waren.
Susanne Schildknecht beim Training an der Elbe in Hamburg. Hier hat sie ihren vierten Marathon geschafft.
Bild: gm





