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Frauen in der Logistik: Andrea Briks

Job und Familie durchgeplant

27.08.2009 | Beruflich wie privat favorisiert Andrea Briks (48) eine Doppelspitze. Seit rund 20 Jahren leitet sie gemeinsam mit Harald Pahl die Saco Shipping GmbH, eine Reederei ohne eigene Schiffe (Non-Vessel Operating Common Carrier, NVOCC). Nebenbei hat sie einen Sohn groß gezogen, was ohne die Unterstützung ihres Mannes kaum möglich gewesen wäre.

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Von Kerstin Kloss

"Wir gehen wieder an Heim und Herd zurück", konstatiert Andrea Briks herzhaft lachend. Mit ihrer ansteckenden Fröhlichkeit kaschiert die Geschäftsführerin der Saco Shipping GmbH nur oberflächlich ihre Kritik an zu wenig beruflichem Engagement der heutigen Auszubildenden. "Bei weiblichen Bewerberinnen fehlt der Kick", beklagt die Chefin des NVOCC, mit Hauptsitz im Hamburger Freihafen, mangelnde Energie.

Sie selbst hat die Begeisterung für die Hafenwirtschaft von den Großeltern mitbekommen. Ihre Mutter etwa kam aus dem Quartiersmannbereich, der früher für die Einlagerung von Seegütern verantwortlich war. Beide Großväter arbeiteten als Werftarbeiter - der eine bei Blohm + Voss, der andere bei Howaldtswerke-Deutsche Werft.

Seit ein bis zwei Jahren nehme der Frauenanteil, der bei Unternehmen in der Speditionsbranche normalerweise bei 50 Prozent liegt, bei Saco und vergleichbaren Hamburger Firmen ab. Andrea Briks erwartet nicht, dass der Nachwuchs "es so treibt" wie sie, "mit Familie und durchgeplant". Aber der Freizeitwert sei halt enorm gestiegen, was die berufliche Entwicklung hemme, beobachtet sie. So sehen die meisten jungen Frauen von heute im Vergleich mit der 48-Jährigen alt aus.

Die Powerfrau mit der dunklen Mähne hat erreicht, wovon viele träumen. Familie, Karriere und Hobbys schließen sich nicht aus im Leben der Mutter eines 16-jährigen Sohnes. "Ich habe nie unter einer Doppelbelastung gelitten", versichert sie glaubhaft. Familie bedeute für sie eher Freizeit. Auch zum Lesen und Campingurlaub in Frankreich, für Gartenarbeit und Freunde findet sie noch Zeit.Glück mit Männern. Sicher liegt es daran, dass Andrea Briks mit den beiden Männern, die ihr am nächsten stehen, mehr Glück gehabt hat als die Durchschnittsfrau. Ihr Mann habe sie von Anfang an unterstützt, ihren Weg zu gehen, und das Kind sei pflegeleicht gewesen. "Fünf Wochen nach der Geburt war ich mit Tragetasche wieder im Büro", erinnert sie sich. Es sei immer alles perfekt organisiert gewesen. Auch Abendtermine konnte sie häufig wahrnehmen - dank Partner und (Schwieger-)Eltern.

Yoga mit Mitarbeitern

Nur ganz am Anfang habe sie sich als Jungunternehmerin belastet gefühlt. Ein Jahr lang arbeitete sie sieben Tage in der Woche, ohne Urlaub. Wie sie das durchgehalten hat? "Aus dem Erfolg habe ich Energie gezogen", nennt sie ihr persönliches Rezept für Vitalität und Gelassenheit. Heute entspannt sie sich beim Yoga - zusammen mit einem Dutzend Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. In der Firmenzentrale, von wo der Blick über Containerstapel und Elbe bis zur Nikolaikirche in der Hamburger City reicht, bringen sie ein Mal pro Woche Geist und Seele in Einklang. Die Idee, das umzusetzen, hatte Andrea Briks.

Als wichtigsten Meilenstein auf ihrem Weg nach oben bezeichnet die gelernte Speditionskauffrau rückblickend ihre Entscheidung, den Schritt in die Selbstständigkeit überhaupt zu tun. Als sie sich dafür 1988 gemeinsam mit Harald Pahl entschied, hatten die beiden Saco-Geschäftsführer schon seit sieben Jahren bei einer Hamburger Spedition eng zusammen gearbeitet."Damals drängten die Containerschiffe explosionsartig auf den Markt", erinnert sich die gebürtige Altonaerin an die 80er-Jahre, als Saco als einer der Pioniere bei den unabhängigen Sammelladern an den Start ging. Die ersten Destinationen waren damals Australien, Neuseeland, Zypern, Israel, der Libanon und Nigeria.

Als Dienstleister für Spediteure bietet NVOCC heute weltweit Sammelcontainerdienste im Ex- und Import an. Es gibt direkte Dienste nach mehr als 140 Häfen. Ein engmaschiges Agentennetz bedient regelmäßig über 400 Destinationen. Weiße Flecken gibt es in der Saco-Welt nicht mehr - "außer Grönland", schmunzelt Andrea Briks nach einigem Nachdenken.

Wegen des personalintensiven Geschäfts arbeiten mittlerweile 150 Personen bei Saco in Hamburg und Bremen. Auch die Chefin hat einen Zehn-Stunden-Tag - den absolviert sie allerdings stets strahlend. Mit ihrem Lächeln steckt sie die Mitarbeiter und Azubis an, die sich nicht nur alle untereinander, sondern auch mit der Geschäftsleitung duzen.

Ein Führungsduo, in dem sich beide Geschlechter die Aufgaben teilen, wäre für viele Unternehmen optimal, ist Andrea Briks überzeugt. Frauen bewiesen im Personalmanagement mehr Fingerspitzengefühl, meint sie. So sieht die Arbeitsteilung in der Saco-Doppelspitze auch vor, dass die Chefin sich um die Mitarbeiter kümmert - von der Personalführung über deren Versicherung bis zur Ausbildung. Seit 1989 hatte das Unternehmen zirka 40 Azubis. Aktuell sind es 17. Die Hälfte dieser Speditionskaufleute, Informatiker und Bürokaufleute sind weiblich - und heute fast alle noch im Unternehmen.

Zu den Aufgaben von Andrea Briks gehören außerdem Messebesuche und Geschäftsreisen in Europa. Hinzu kommt die EDV-Abteilung. Pahl jettet unterdessen rund um den Globus, um die Kontakte mit den Agenten zu pflegen. Auch die Finanzen liegen in seiner Hand. In Gelddingen überlassen Frauen Männern ja bekanntlich gerne den Vortritt. DVZ 3.5.2007 (kk)

Zur Person

Im Anschluss an die höhere Handelsschule machte die Hamburg-Altonaerin eine Ausbildung zur Speditionskauffrau. Nach ein paar Jahren im Job reifte der Entschluss auszusteigen. 1988 gründete sie mit Harald Pahl die Saco Shipping GmbH. Heute hat ihr Arbeitstag - zwei Mal pro Woche im Home Office - zehn Stunden. "Frauen müssen flexibler werden und mehr für Weiterbildung tun", meint sie.

Das Unternehmen

Saco Shipping GmbH - Der inhabergeführte Sammellader im Hamburger Freihafen organisiert Seetransporte für Spediteure. Enge geschäftliche Verflechtungen gibt es mit der PCH Packing Center Hamburg GmbH, mit der sich Saco das Firmengelände teilt. Im Jahr 2002 nahm PCH dort den Exportbereich und zwei Jahre später die Importanlage in Betrieb. Heute messen Halle und Warenlager zusammen 18.500 Quadratmeter. Hinzu kommen ein 4500 Quadratmeter großes Gefahrgutlager sowie eine LCL-(Less than Container Load) und FCL-(Full Container Load) Packstation für die Containerbeladung. Saco beschäftigt 120 Mitarbeiter am Firmensitz in Hamburg sowie 30 in Bremen.

Bilde: Grundt 

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