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DVZ.de-Serie "Next Generation"

"In meinem Job kann ich gestalten"

Von Sebastian Reimann, Hamburg

23.12.2009 | Birte Schulz sitzt als Vertriebschefin für Deutschland bei Geodis Wilson an einer wichtigen Schaltstelle. Ihre Aufgabe ist, das Unternehmen in neun Schlüsselbranchen breiter aufzustellen. Dazu steuert sie ein Team von 30 Mitarbeitern.

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Birte Schulz hat einen Job, um den sie viele beneiden würden. Als National Sales & Marketing Manager bei Geodis Wilson Germany hat sie mit 34 Jahren bereits erreicht, was viele in einem ganzen Berufsleben nicht schaffen. Sie ist für die nationalen Vertriebsaktivitäten des Unternehmens verantwortlich und Chefin von rund 30 Mitarbeitern.

Vielschichtige Aufgabe

Sie präsentiert vor Großkunden in der ganzen Welt. In diesem Jahr standen schon Reisen nach Brasilien, China, Indien sowie in zahlreiche europäische Länder auf dem Terminplan. Zudem gehört sie dem Geschäftsleitungskreis an. Somit ist sie in wichtige Entscheidungen einbezogen. Und dabei wollte sie zuerst überhaupt nicht bei Geodis Wilson anfangen.

  Im November 2007 hat sie bei dem damals neuformierten Speditionsunternehmen angeheuert, in dem auch das Hamburger Traditionsunternehmen Rohde & Liesenfeld (R&L) aufging. Mittlerweile gehört Geodis Wilson zur französischen Staatsbahn SNCF. Schulz machte sich die Entscheidung nicht leicht. Zwar lockte das Neue und die Möglichkeit als Key Account Managerin die Kundenbeziehungen aktiv zu gestalten. Schließlich war einer der Gründe für den Zusammenschluss von R&L und Geodis Wilson Germany, gemeinsam an die großen Brocken im Verladerbecken heranzukommen. Andererseits arbeitete Schulz zu jener Zeit bei dem Größten im Dienstleisterbecken. Bei der Maersk-Tochter Maersk Logistics war sie ebenfalls für die Großkunden verantwortlich und sich sehr bewusst, dass sie für ein echtes Branchenschwergewicht arbeitete. "Dort herrscht so etwas wie der Maersk-Stolz, den man sehr schnell übernimmt", so Schulz. Schließlich gab aber doch die Aussicht bei Geodis Wilson etwas Neues mit aufzubauen den Ausschlag für den Wechsel. "Bei Geodis habe ich von Anfang an eine große Unabhängigkeit erfahren und kann wirklich gestalten", sagt Schulz. Zudem hat sie der Team-Spirit fasziniert - etwas, was sie auch schon bei einigen ihrer vorherigen Arbeitgeber sehr zu schätzen wusste.

Karrierebeginn vor 13 Jahren

Im Fall von Birte Schulz von einer Blitzkarriere zu sprechen, trifft es trotz des rasanten Aufstiegs nicht ganz. Schließlich ist sie bereits seit 13 Jahren im Job. Dabei hat sie schon früh verantwortungsvolle Aufgaben übernommen und ihren Weg zielstrebig verfolgt. Angefangen hat es 1996 mit einer Lehre zur Schifffahrtskauffrau bei Van Ommeren in Hamburg. Direkt nach ihrer eigenen Ausbildung hat sie dort die folgenden Azubi-Jahrgänge betreut.

Nächste Station war Transfracht. Für sie war es ein großer Schritt, hieß es doch, der Schifffahrt den Rücken zu kehren und in der Spedition anzuheuern. Hier rutschte sie aber bereits in das Key Account Management herein. Von dort ging es zu VOTG, wo sie aber nur knapp über ein Jahr blieb. Der Grund: Die Chemie stimmte im wahrsten Sinn des Wortes nicht. "Die Branche war nichts für mich", sagt sie. Also zurück in den sicheren Reedereihafen. Sie wechselte in das Großkundenmanagement von MOL und hatte es fortan mit global tätigen Automobilherstellern zu tun. Die Situation war ähnlich der, die sie später bei Geodis Wilson vorgefunden hat. "Wir mussten alles aufbauen, das entspricht meinem Naturell", sagt sie. Als nach zwei Jahren das Angebot von Maersk kam, war es trotzdem Zeit zu gehen, um sich bei den Dänen um den Großkunden Puma zu kümmern. Praktische Erfahrung ist gut, es reicht aber nicht. Nach dieser Devise hat sich die junge Frau stets nebenher auch die nötigen theoretischen Grundlagen angeeignet, um für ihren Management-Job gerüstet zu sein. Los ging es mit der Ausbildereignungsprüfung im September 2000, um im darauf folgenden November ein Abendstudium zur Verkehrsfachwirtin dranzuhängen.

Die rund eineinhalb Jahre erinnert Schulz heute als "eine Zeit mit vielen Büchern und wenig Sozialleben". Abgeschreckt hat es sie nicht. Im vergangenen Jahr machte sie auch noch eine Ausbildung zur Prozessberaterin. Bei Geodis Wilson ist sie nun nicht nur für die Zufriedenheit der Großkunden verantwortlich, sondern auch dafür zuständig, die sogenannten "Vertikalmarktstrukturen" in Deutschland zu schaffen. Hintergrund: Geodis hat neun Schlüsselbranchen definiert. In jenen ist das Unternehmen bereits vertreten, will dort aber weitere Kunden gewinnen. Fuß in der Tür statt Kalt-Akquise also.

Mitarbeiter fördern

Das ist die Theorie: In der Praxis sieht der Job der Nachwuchsmanagerin so aus, dass sie etwa 150 bis 200 E-Mails pro Tag bekommt, in diversen Meetings sitzt und ihre Mitarbeitern unterstützt, noch besser zu werden. Dabei hilft ihr die besagte Prozessberaterausbildung. Kurz gesagt geht es darum, den Mitarbeitern nicht nur Zielvorgaben zu machen, sondern ihnen auch die Methodik zu vermitteln, um die Aufgaben zu erfüllen. Ist das sichergestellt, lässt sie ihren Mitarbeitern nach eigener Einschätzung viel Freiraum und Eigenverantwortung.

Obwohl Schulz eben nicht alles selbst macht, dauert ein Arbeitstag selten weniger als zwölf Stunden. "Das ist der Preis, den man als Führungskraft zahlen muss", stellt sie fest, ohne sich zu beschweren. Dafür arbeite sie in einer internationalen Branche, lerne viele interessante Menschen kennen und könne Dinge verändern. Um dennoch die "Work-Life-Balance" - wie es so schön heißt - nicht aus den Augen zu verlieren, treibt sie regelmäßig Sport: vor allem Joggen und Tennis. Letzteres dabei auch erfolgreich und mit viel Spaß im Verein. DVZ 12.9.2009 (sr)

Hintergrund: Geodis Wilson

Es passt, dass bei Geodis Wilson eine junge Frau mit gerade einmal 34 Jahren den Deutschland-Vertrieb leitet. Schließlich ist das Unternehmen selbst noch recht jung. Geodis Wilson Germany in seiner heutigen Form besteht erst seit rund zwei Jahren. Das Unternehmen ging Anfang 2008 aus der Fusion von Geodis Overseas, TNT Freight Management und Rohde & Liesenfeld (R&L) hervor. In der Folgezeit wurden in Deutschland die Aktivitäten von R&L mit jenen der alten Deutschland-Organisation von Geodis Wilson verschmolzen. Ziel war vor allem, die Stärken von R&L in der Seefracht mit jenen von Geodis Wilson in der Luftfracht zu einem Paket zusammenzufügen. Seit November vergangenen Jahres gehört Geodis zur französischen Staatsbahn SNCF. Unter der Marke Geodis Wilson sind dabei die Speditionsaktivitäten gebündelt. Spätestens seit der Übernahme durch SCNF stehen die Zeichen im Unternehmen auf Expansion. Immer wieder wird betont, wie hilfreich es gerade in den derzeitigen Krisenzeiten sei, einen finanzstarken Konzern im Rücken zu haben. Dabei geht es der Konzernführung um Präsident Pierre Blayau vor allem darum, für global tätige Kunden entsprechende Speditions-, Transport- und Logistikdienstleistungen aus einer Hand anzubieten.

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