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Von Sebastian Reimann
Petra Heinrichs Motor läuft stets auf Hochtouren. Das wird noch vor dem ersten Treffen deutlich. Es soll auf der "Lappland" stattfinden, einem von drei Schiffen, welche die Reederei Heinrich bereedert. Passt ja auch, sich mit einer Unternehmerin im Umfeld ihres Betriebskapitals zu unterhalten. Es hat aber auch damit zu tun, dass Petra Heinrich, 44 Jahre alt, Schifffahrtskauffrau, Kapitänin, Ingenieurin, Mutter von zwei eigenen und vier Stiefkindern und eben Chefin der Traditionsreederei aus Jork, einfach viel um die Ohren hat. Außerdem will sie trotz eines vollen Terminplans regelmäßig auf ihren Schiffen nach dem Rechten sehen.
Der Besucher kämpft sich die Stufen zur Brücke hoch. "Eben war sie noch da. Jetzt ist sie schon wieder irgendwo unten", sagt einer aus der Crew. "Ich schau einmal, ob ich sie finden kann", verspricht der nette Herr und siehe da, nach einigen Minuten kommt sie tatsächlich schnellen Schrittes. Mit einem freundlichen Lächeln und festem Händedruck stellt sie sich vor, es kann losgehen. Aber eines muss sie vorher noch klären: "Die Bilder im Treppenaufgang habt ihr schön geputzt", lobt sie die Mannschaft, "doch leider habt ihr so doll geschrubbt, dass nun die ganze Farbe verblichen ist", sagt sie mit einem Augenzwinkern. Die Message ist trotzdem angekommen: Ordnung muss sein. "So, kommen Sie einmal mit", sagt sie und fegt in einem Affenzahn die Treppe wieder runter in die Messe. Wir sind angekommen.
Chefin mit 25
"Ich bin immer unter Volldampf", sagt sie fast entschuldigend. "Volldampf" zieht sich durch ihr ganzes bisheriges Leben. Mit 16 nimmt sie ihr Vater überall mit hin zeigt ihr die Abläufe im Familienunternehmen. Mit 25 ist sie Chefin. Gestoßen wird sie in die Rolle nicht. "Ich wollte das Unternehmen übernehmen", sagt sie.
Trotzdem ist es nicht immer einfach, diese und diverse andere Rollen auszufüllen. Petra Heinrich kennt jenen Spagat, den Frauen noch immer vollbringen müssen, wenn sie die eigene Karriere mit dem Wunsch nach einer Familie vereinbaren wollen und auch noch Erwartungen aus dem Umfeld erfüllen müssen. Zugeständnisse bleiben nicht aus. Der Mutter zuliebe macht sie gleich nach dem Abitur eine Ausbildung zur Schifffahrtskauffrau. Danach arbeitet sie ein paar Monate als Schiffsmaklerin in London, und kommt schließlich - auch auf Drängen der Mutter - nach Hause zurück.
Schließlich gewinnt aber das Fernweh die Oberhand. Da sie "immer zur See fahren" wollte macht Heinrich eine Ausbildung zur Schiffsmechanikerin. Sie lernt ihren ersten Mann kennen und macht wieder ein Zugeständnis: "Ich bekam die Kinder, er machte das Patent." Doch die Liebe zur See bleibt. Im Jahr 2000, sie ist mittlerweile zweifache Mutter, in zweiter Ehe mit Kapitän Jens Robrahn verheiratet und steht seit zehn Jahren an der Unternehmensspitze, geht sie doch noch ihren großen Traum an. Kurz bevor die Seefahrtschule in Hamburg schließt, schreibt sie sich noch schnell ein. Nach vier Jahren plus einem Jahr für die Diplomarbeit hat sie ihren Diplom-Ingenieur in der Tasche.
Manchmal sei sie damals am Rande ihrer Kräfte gewesen. Schließlich hat sie in der Reederei weiter voll mitgearbeitet und sich um Heuern, Safety und Security, Finanzierung und andere administrative Dinge gekümmert, während ihr Mann den technischen Part übernahm. Schlussendlich sei es aber alles eine Frage der Organisation gewesen. Außerdem habe ihr das Studium in zweierlei Hinsicht genützt: "Man lernt, anders zu denken und es ist gut, wenn auf der Visitenkarte "Dipl. Ing" steht - gerade in der Schifffahrt."
Vorbild für den Sohn
Organisieren muss Petra Heinrich auch heute noch viel. Neben dem Geschäft soll die Familie nicht zu kurz kommen. Mittags kocht sie für alle, das ist ihr wichtig. Außerdem kümmert sie sich um ihre Mutter. Im Berufsverband "Frauen zur See" engagiert sie sich für junge Frauen, die in der Schifffahrt vorankommen wollen.
Und wie ist sie als Chefin? "Gut", findet Sohn Nils. "Ich möchte einmal so viel erreichen wie sie." Dafür macht er wie seine Mutter erst einmal eine Ausbildung zum Schiffsmechaniker. Seine Mutter überlegt lange, bevor sie antwortet. Manchmal wünsche sie sich, sie wäre etwas konsequenter, gerade im Umgang mit negativen Dingen. Insgesamt sei sie wohl aber eine recht gute Chefin. Und: "Ich denke, man kann mit mir reden." Stimmt. DVZ 9.5.2009
Zur Person
Reederin Petra Heinrich (44), zweifache Mutter und vierfache Stiefmutter, ist Diplom-Ingenieurin für Schiffsbetrieb. 1990 überschrieb ihr der Vater die Reederei Heinrich. Von der Zentrale in Jork bei Hamburg aus lenkt sie die Geschicke der Firma.
Das Unternehmen
Seit fast 150 Jahren sind die Heinrichs auf den Meeren unterwegs. Heute gehören drei Schiffe und 62 Mitarbeiter zur Reederei. Der Umsatz dürfte sich in diesem Jahr bei 4 Mio. Euro einpendeln.
Foto: Claus Grimm





