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DVZ.de - Hintergrund

Hugo Boss führt langen Kampf für ungeliebtes Hochregallager

Von Marc Herwig, dpa

24.01.2012 | Das neue Hochregallager von Hugo Boss hat schon für viel böses Blut gesorgt, obwohl es noch längst nicht gebaut ist. Nach zwei Abfuhren unternimmt der Konzern nun den dritten Anlauf. Wichtigstes Ziel: Die Bürger sollen nicht wieder auf die Barrikaden gehen.

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Selten hat Hugo Boss für so viel Aufruhr gesorgt wie mit seinem neuen Hochregallager. Einen Oberbürgermeister kostete es den Job, in zwei Städten hat es tiefe Gräben in die politische Landschaft gerissen. Jetzt nimmt Hugo Boss einen dritten Anlauf in Filderstadt (Kreis Esslingen). Diesmal wollen der Modekonzern und die Rathausspitze alles unternehmen, damit die Bürger das Projekt nicht noch einmal zu Fall bringen.

"Die Bürger profitieren davon, dass der Standort aufgewertet wird", betonte Filderstadts Oberbürgermeisterin Gabriele Dönig-Poppensieker (SPD) am Dienstag bei der Vorstellung des Bauprojekts. Jedes Jahr will der Konzern aus Filderstadt 35 Mio. Hosen, T-Shirts und Schuhe an Bekleidungs-Geschäfte in ganz Europa liefern. Mindestens 500 Arbeitsplätze sollen entstehen. Aber das Lager hat auch gewaltige Ausmaße: 253 m lang, 122 m breit und bis zu 21 Meter hoch sollen die Gebäude insgesamt werden.

Als Hugo Boss die Pläne vor einigen Jahren in Metzingen (Kreis Reutlingen), wo der Konzern seinen Sitz hat, vorstellte, gingen tausende Bürger auf die Barrikaden. Dort war die Halle in den Plänen sogar noch ein ganzes Stück größer. Ein so gigantisches Gebäude wollten die Metzinger nicht haben. Die Hallen-Gegner erzwangen einen Bürgerentscheid. Oberbürgermeister Dieter Hauswirth (CDU) kämpfte mit aller Kraft für Hugo Boss - und verlor gegen seine Bürger. Frustriert warf er daraufhin das Handtuch.

Hugo Boss konzentrierte sein Augenmerk danach ganz auf einen Bauplatz in der Nachbargemeinde Nürtingen (Kreis Esslingen). Der Gemeinderat dort war mehrheitlich begeistert über den großen Investor - aber auch die Nürtinger Bürger wehrten sich gegen die gigantische Halle. Als der Gemeinderat das Projekt trotzdem durchsetzen wollte, zog eine Bürgerinitiative bis vor den Verwaltungsgerichtshof - und stoppte das Vorhaben dort. Der Streit habe "tiefe Narben" hinterlassen, gab Oberbürgermeister Otmar Heirich (SPD) damals zu.

Nun nimmt Hugo Boss in Filderstadt einen dritten Anlauf. Man habe dazugelernt, signalisiert Finanzvorstand Mark Langer. "Ein Bauvorhaben in dieser Größenordnung erfordert ein maximales Maß an Transparenz." Es werde in den nächsten Monaten viel mit den Bürgern kommuniziert. "Wir wollen zeigen: Was wir hier umsetzen wollen, ist nicht nur im Interesse des Unternehmens", sagte er.

Auch die Rathauschefin setzt ganz auf Transparenz. Am 7. Februar will sie das Konzept in einer Bürgerversammlung vorstellen. "Ich denke, durch die frühzeitige Bürgerbeteiligung wird es möglich sein, Bedenken zu zerstreuen", sagte Dönig-Poppensieker.

Hugo Boss hofft sehr darauf, dass es diesmal klappt. Der Modekonzern ist gerade auf einem rasanten Wachstumskurs und will seinen Umsatz von 2010 bis 2015 auf 3 Mrd. EUR fast verdoppeln. Doch Finanzvorstand Langer betont, diese Wachstumspläne setzten eine gute Logistik voraus. Und dazu gehöre das Liegewarenlager in Filderstadt.

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