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"Der Einzelhandel insgesamt hat keine Einbrüche gehabt", bestätigte Herbert Lechner, Bereichsleiter für Konsumentenbeobachtung Nonfood bei dem Marktforschungsunternehmen GfK. Der Nonfood-Bereich (Elektro, Textil, Hartwaren, Baumarktartikel) ging in Deutschland gerade mal um 0,3 Prozent auf 146,8 Mrd. Euro zurück, so Lechner auf der von der Hermes Logistik Gruppe organisierten Veranstaltung. Der Lebensmittelhandel inklusive Drogeriemärkte verlor 1,2 Prozent und setzte 150,1 Mrd. Euro um.
Spielwaren als Renner
In den Nonfood-Teilmärkten ging die Entwicklung weit auseinander. Renner waren Spielwaren/Spielzeuge mit einem Wachstum von 4,7 Prozent, gefolgt von Computer/Konsolen und Software (vier Prozent) und Gartenbedarf (3,4 Prozent). Die großen Verlierer waren Campingartikel/Sportgeräte mit einem Minus von 5,8 Prozent.
Deutlich änderten sich die Einkaufsgewohnheiten der Deutschen, wie Lechner aufzeigte. Große Verlierer im Nonfood-Geschäft waren die Kauf- und Warenhäuser, die Umsatzverluste von 12,8 Prozent verkraften mussten. Auf der Gewinnerseite war neben Elektrofachmärkten (plus 3,6 Prozent) vor allem der Internethandel, der um fünf Prozent zulegte. E-Commerce hat im deutschen Nonfood-Geschäft mittlerweile einen Marktanteil von elf Prozent (2005: sechs Prozent). Leidtragender ist vor allen der traditionelle Versandhandel.
Unaufhaltsam verlieren die Discounter im Nonfood-Bereich an Boden – allen voran Aldi. Ihr Marktanteil sackte von fünf Prozent im Jahr 2005 auf 4,3 Prozent im Jahr 2009.
Über alle Warengruppen (ohne Dienstleistung, Reisen und Lebensmittel) legte E-Commerce nach GfK-Messungen sogar um 14 Prozent zu und bringt nun einen Jahresumsatz von 15,5 Mrd. Euro. Das liegt nicht nur an der gestiegenen Zahl der Internet-Shopper, die nur ein Wachstum von vier Prozent erklären würde. Laut GfK nimmt die durchschnittliche Bonsumme deutlich zu. Mit anderen Worten: Die Verbraucher geben pro Einkauf mehr Geld im Internet aus. Sie schenken dem Medium immer mehr Vertrauen und kaufen auch höherwertige Waren per Mausklick ein.
Zuhause konsumieren
Die Jahre 2010 und 2011 könnten für den Konsum laut den GfK-Analysen noch einmal schwierig werden. Die Marktforscher rechnen mit einem Anstieg der Arbeitslosenzahlen auf bis zu 4,08 Mio. im Zeitraum 2010/11. Für den Einzelhandel gibt es paradoxerweise schlimmeres. Lechner nennt den Grund: Deutsche neigen in Krisenzeiten zum "Homeing". Sie verlagern ihren Konsum nach Hause. Schlecht für die Reisebranche und das Gaststättengewerbe, besser für den örtlichen Handel und das E-Commerce-Geschäft.
Keine Kehrtwende machen die Verbraucher in der Frage des ethischen Konsums. Sie fordern von den Unternehmen verantwortliches Handeln gegenüber den eigenen Mitarbeitern (92 Prozent), Zulieferern aus der Region (47 Prozent), Zulieferern aus der ganzen Welt (44 Prozent) und Engagement in Sachen Umwelt- und Klimaschutz (45 Prozent). Sünden werden konsequent von den Konsumenten abgestraft, wie Prof. Peter Wippermann, Gründer und Gesellschafter des Trendbüros, bestätigte.
Abgestraft werden auch Händler, welche die Bedeutung des Multichannel-Vertriebs unterschätzen, wie Kai Hudetz, Leiter des E-Commerce-Centers Handel, Köln, aufzeigte. Durchschnittlich 86,1 Prozent des Umsatzes, den ein Einzelhändler im Internet macht, seien Mehrumsätze zu seinem stationären Geschäft. Lediglich 13,9 Prozent der Internetumsätze kannibalisieren stationären Umsatz. Außerdem: Bei rund 10,7 Prozent des stationären Umsatzes wird der Kaufanreiz im Internet ausgelöst. Viele Kunden treffen ihre Entscheidung im Internet und kaufen im Laden – oder umgekehrt. DVZ 22.6.2010
Tipp: Lehren für Logistiker
- Die Umsätze aus dem Geschäft mit dem Handel und der Konsumgüterindustrie bleiben vergleichsweise stabil, auch wenn die Krise noch nicht abschließend überwunden ist.
- Immer mehr Kunden aus dem Handel, aber auch aus der Konsumgüterindustrie werden vermehrt im Internethandel aktiv. Umsätze aus dem stationären Handel werden in den E-Commerce umgeleitet. Handelslogistiker sollten diesen Kanal deshalb ebenfalls bedienen können – zumindest im Warehousing und der Kommissionierung sowie bei logistischen Zusatzleistungen.
- Nachhaltigkeit ist für die Verbraucher ein wichtiges Thema. Der Handel wird Druck auf seine Dienstleister ausüben, sich auf diesem Feld zu engagieren.







