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Reiner Roß ist zu seinen Wurzeln zurückgekehrt. Nach einem siebenjährigen Intermezzo im Lebensmitteleinzelhandel bei Markant hat er vor einem halben Jahr die Führungsposition bei der deutschen Niederlassung des österreichischen Logistikanbieters Gartner in Kehl übernommen. Und das mit gerade einmal 35. "Ich war immer und überall einer der Jüngsten", sagt Roß. "Damit hatte ich nie ein Problem - wenn überhaupt dann höchstens die Leute die mit mir zusammenarbeiten sollten."
Teamdenken im Mittelpunkt
Nach einem halben Jahr als Vertriebsleiter hat Roß die Nachfolge von Hans-Joachim Glunz angetreten. Damit ist er quasi wieder am Ausgangspunkt seiner Karriere angekommen. Denn seine ersten Sporen verdiente sich Roß während seiner Ausbildung zum Speditionskaufmann bei der heutigen Gartner-Tochter, der Spedition Mertz GmbH. "Rolf Mertz hat mich mit seiner Denkweise und auch seiner Art der Unternehmensführung damals sehr geprägt", so Roß. "Noch heute höre ich gern auf die Ratschläge von älteren Menschen, um einerseits deren Erfahrungen zu nutzen und andererseits die Fehler, die sie vielleicht gemacht haben, nicht zu wiederholen."
Überhaupt spielt der Teamgedanke für Roß eine ganz zentrale Rolle. "Eine meiner Entscheidungen, als ich hier die Position des Geschäftsführers übernommen habe, war, ein Leitungsteam mit Führungskräften aus unterschiedlichen Unternehmensbereichen ins Leben zu rufen", sagt er. "Bevor es zu einer Entscheidung kommt, höre ich mir gern zuerst die Meinungen der betroffenen Mitarbeiter an."
Nachwuchskräfte fördern
Bevor Roß im Juli 2008 zu dem Obst- und Gemüselogistiker stieß, hatte er bei Leible-Seifried in Appenweier und bei Markant in Offenburg gearbeitet. In seiner Zeit bei dem Lebensmittelgroßhändler habe er sehr von dem dortigen, sehr guten Nachwuchs-Führungskräfteprogramm profitiert. "Markant hat es verstanden, die jungen Leute gezielt gemäß ihrer Stärken und Schwächen zu fördern", sagt Roß. "Das hat auch mir unheimlich viel gebracht, was meine weitere Entwicklung angeht." Um diese positiven Erfahrungen auch an die jungen Gartner-Mitarbeiter weiterzugeben, plant Roß in seiner neuen Funktion ein eigenes Nachwuchs-Führungskräfteprogramm aufzubauen.
Der Manager ist überzeugt davon, dass die besten Ideen nur in einem gemeinsamen Prozess entstehen können. So führt er mit seinem Leitungsteam in Kürze einen 24-stündigen Telefonservice ein, um die Disponenten bei Gartner in Kehl zu entlasten. "So etwas ist meines Wissens einzigartig in Deutschland und für uns ein klares Alleinstellungsmerkmal", so Roß. Aufgrund des verstärkten Drucks vonseiten des Gesetzgebers und des Marktes erwartet Roß zukünftig sogar eine Rund-um-die-Uhr-Verladung von Obst und Gemüse sowie zunehmende Maßnahmen der Qualitätskontrolle auch für die Dienstleister. "In unserem Geschäft mit Obst und Gemüse müssen die Informationen vor allem nachts fließen, weil da unsere Kunden und Fahrer mit den Großmärkten in Kontakt treten und angemessen auf aktuelle Entwicklungen reagieren müssen."
Fördern und Fordern
Flexibilität spielt im Geschäft mit Obst und Gemüse eine ganz zentrale Rolle. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an die Belegschaft. "Der Mitarbeiter steht dabei immer im Vordergrund - doch ich erwarte auch, dass die Leistung stimmt und er sich voll für das Unternehmen einbringt." Denn Fördern und Fordern gehören seiner Ansicht nach unbedingt zusammen, wenn ein Unternehmen langfristig Erfolg haben will und ein hoher Kundenservice sichergestellt werden soll. "Meinen Führungsstil würde ich als hart aber herzlich bezeichnen", sagt er.
In Deutschland hat Gartner derzeit rund 410 Mitarbeiter, die einen Jahresumsatz von 70 Mio. Euro erwirtschaften. 100 Kühlfahrzeuge am Standort Kehl, 45 Tankfahrzeuge in Ludwigshafen sowie 40 Kühl- und 16 Planenfahrzeuge in Speyer sind im Einsatz. Gerade der deutsche Gartner-Standort in Kehl biete aufgrund seiner starken Wachstumsraten im Bereich der temperaturgeführten Transporte ein sehr großes Potenzial für die Zukunft, unterstreicht Roß. Immerhin rund 30 bis 50 Lkw werden pro Tag von Kehl aus auf die Reise geschickt. Und auch in Speyer bestehe durch den Anschluss zum Containerterminal in Mannheim eine leistungsfähige Basis, wenn zukünftig verstärkt Massengüter auf die Bahn verlagert würden. "Deshalb werden wir in Speyer und in Kehl zum wiederholten Mal auch alle Lehrlinge nach dem Ende ihrer Ausbildung übernehmen", erklärt Roß. "Der Transport von Obst und Gemüse ist ein schwieriges Geschäft, in dem die Mitarbeiter im Lauf der Zeit ein sehr spezialisiertes Know-how aufbauen." Und dieses Wissen sei für den langfristigen Unternehmenserfolg unverzichtbar. DVZ 12.9.2009
Hintergrund: Unternehmensgruppe Gartner
Die Gartner-Unternehmensgruppe mit der Unternehmenszentrale in Lambach/Österreich sowie Niederlassungen, Tochterunternehmen und Kooperationspartnern in Österreich, Deutschland, Ungarn, Spanien, Frankreich, Belgien, Griechenland und Tschechien ist nach eigenen Angaben das führende private Transportunternehmen Österreichs. Gartner besteht seit über 80 Jahren und ist zu 100 Prozent in österreichischem Familienbesitz. Die Gruppe beschäftigt europaweit zirka 2200 Mitarbeiter (davon etwa 1300 in Österreich) und erzielte im vergangenen Geschäftsjahr einen konsolidierten Jahresumsatz von rund 400 Mio. Euro. Die Fahrzeugflotte umfasst derzeit 1600 Fahrzeuge und 1300 Container. Seit 2003 ist Gartner auch mit stark wachsenden Verkehrszahlen im Bereich des unbegleiteten kombinierten Verkehrs Straße-Schiene tätig. Dieses neue Geschäftsfeld wird in erster Linie mit eigenen, kompletten Containerzügen abgewickelt. Seit der Übernahme der Kehler Firma Mertz 1999 operiert das deutsche Netzwerk unter dem Namen Gartner Speditions GmbH mit Standorten in Kehl, Speyer und Ludwigshafen.
Schwerpunkt in Deutschland ist der Transport temperaturgeführter Güter wie Obst und Gemüse. Hierzu betreibt die Spedition in Kehl ein hochmodernes Kühl-Logistikzentrum sowie einen Eigenfuhrpark mit 100 Frigo-Lkw.







