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Frauen in der Logistik: Antje Schütt-Fahrenkrog

"Frauen brauchen keine Quote"

Von Kerstin Kloss, Hamburg

08.10.2009 | Von einer Frauenquote hält Antje Schütt-Fahrenkrog gar nichts. Sie fordert im Job gleiche Regeln für alle. Damit hat sie selbst bei dem US-Konzern FedEx eine steile Karriere hingelegt und gleichzeitig eine vierköpfige Familie gegründet.

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Im Apfelgarten sitzen drei Generationen am wuchtigen Holztisch und mittendrin Antje Schütt-Fahrenkrog, Vice President Customer Experience Management Europe, Middle East, India & Africa (EMEIA) bei FedEx. „Dass man jederzeit zu seinen Wurzeln zurückkehren kann, gibt Sicherheit“, sagt die zweifache Mutter und vielbeschäftigte Managerin.

Auf dem Land in Schleswig-Holstein ist sie aufgewachsen, inzwischen aber auf den Flughäfen in aller Welt zu Hause. „Es gibt so viele Lebensgestaltungsmöglichkeiten außerhalb der bekannten ausgetretenen Wege“, weiß sie. Das Naheliegende findet sie langweilig, es ermüdet sie schnell. Und schon ist sie mittendrin in ihrer Philosophie über Frauen und Männer, Job und Familie.

Spielregeln verstanden

Die wenigen Frauen in den Logistik-Führungsetagen seien keine Exotinnen. „Wir haben frühzeitiger als andere die Spielregeln in der Wirtschaftswelt verstanden und akzeptiert und in unsere Lebenskonzepte eingebaut“, macht sie klar. Das Gedankenspiel „Muss ich mich zwischen Karriere und Kindern entscheiden?“ führe auf die falsche Fährte. Und das Argument, ab einer gewissen Position seien Kinder für eine Frau nicht drin, findet Schütt-Fahrenkrog „sträflich“. Der mit sehr viel Energie ausgestatteten 47-Jährigen war immer schon klar: „Ich will beides!“ Männer sieht sie als Partner, im Beruf genauso wie im Privaten.

Ehemann Jörn hat Architektur studiert, sagt aber, er sei Hausmann und für die Kinder da. Die Rollenverteilung war schon so, bevor Sohn Jonas (13) und Tochter Jael (7) geboren wurden. Damals ist das Paar „ein bisschen durch die Gegend gezogen“. Von Hamburg nach Bremen, nach Stuttgart – immer dahin, wo die FedEx-Managerin gebraucht wurde. Jetzt ist das meist im Ausland, etwa in Brüssel, Hongkong oder Indien.

Als die Lehrertochter 1985 bei dem US-Konzern in Hamburg als Daten-typistin anfing, leistete sie sich noch ein „Neigungsstudium“ in Philosophie und Germanistik an der Universität Kiel. Erst 1996 folgte ein zielgerichtetes Betriebswirtschaftsstudium. Die Geisteswissenschaften hätten ihr aber nie geschadet, sondern das strukturierte Denken und die strategische Weitsicht trainiert. „Meine Stärke ist es, aus vielen Details ganz schnell das Gesamtbild zu sehen und dafür zu sorgen, dass die nachgelagerten Prozesse angepasst werden“, sagt sie.

Ihren Berufseinstieg bei dem Kep-Dienstleister bezeichnet sie als „einmalige Chance“, wenn sie zurückblickt. „Es war immer mein Wunsch, mir meine eigene Existenz zu sichern und mich nicht in Abhängigkeiten begeben zu müssen“, erklärt sie. Das hat geklappt.

Schwanger aufgestiegen

Nach acht Jahren im Unternehmen war Schütt-Fahrenkrog Managing Director Operations für Deutschland und Österreich. Der Wechsel zum Vice President Operations Zentral- und Osteuropa 2001 war ein weiterer „glatter Aufstieg“ und hat sogar sie – mitten in ihrer zweiten Schwangerschaft – überrascht. Lange Babypausen gab es nicht, nach dem gesetzlich vorgeschriebenen Mutterschutz arbeitete sie schnell wieder Vollzeit. „Wenn nur einer Geld nach Hause bringt, müssen die Einkünfte wieder fließen“, kommentiert sie und lacht.

Ihre jetzige Position in der Abteilung Customer Experience Management wurde 2006 geschaffen, der Kundendienst auf allen Kontinenten aus vorherigen Funktionen herausgelöst. Der operative Zweig verantwortet alle Kundendiensteinheiten in den EMEIA-Ländern. Die strategische Säule befasst sich mit Qualitätsmanagement, Kundendienst und Prozessverbesserungen.

„Meine Teams wünschen sich manchmal mehr Verschnaufpausen. Darüber verhandeln wir dann“, meint sie augenzwinkernd. Dass man viele Menschen dazu bringen muss, an einem Strang zu ziehen, um große Ziele zu erreichen, hat sie beim Sport gelernt. Als jugendliche Mannschaftsführerin war sie mit ihrem Handballteam vom VfL Oldesloe zweimal Deutscher Meister.

So wie sie sich damals in einem körperbetonten Sport durchsetzte, hält sie auch heute nichts von falsch verstandener Rücksichtnahme: „Ich wünsche mir, dass wir endlich in der postfeministischen Moderne ankommen und mit dem Ruf nach Frauenquoten aufhören.“ Das fordert sie als Mentorin im Womens Business Club in Frankfurt von jungen Frauen. Am Wichtigsten ist ihr aber etwas anderes. „Ich lebe nicht, um zu arbeiten, sondern um mit meiner Familie ein schönes, gutes Leben zu haben“, sagt sie unterm Apfelbaum sitzend. DVZ 19.9.2009

Zur Person

Antje Schütt-Fahrenkrog (47) arbeitete sich von einem Aushilfsjob bei FedEx nach oben. 1994 bekam sie vom deutschen „Forbes“-Magazin den Award Managerin des Jahres. Als Frau aus bekannten Rollenmustern zu fallen, habe viele Vorteile, meint sie.

Das Unternehmen

Der US-Konzern FedEx Corp. bietet Transport-, E-Commerce und Dokumenten-Management-Services an. Weltweit beschäftigt er über 290.000 Mitarbeiter und Subunternehmer. Die Kep-Sparte firmiert unter FedEx Express.

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