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DVZ.de-Serie Next Generation

Die Freundin der Feeder

10.04.2010 | Julia Boden ist eine Rarität. Denn Frauen in Führungspositionen in der Hafenwirtschaft sind noch immer selten. Zielstrebig hat sich die Betriebsleiterin der FLZ den Weg zu ihrer Wunschtätigkeit gebahnt.

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Sie macht das Licht an. Punkt 7 Uhr ist Julia Boden in ihrem Büro in der Feeder Logistik Zentrale (FLZ) tief im Herzen des Hamburger Freihafens. Das frühe Aufstehen ist für die 28-Jährige kein Problem, schließlich übt sie ihre „Wunschtätigkeit“ aus. Sie ist die Betriebsleiterin der erst kürzlich eröffneten Einrichtung – die „Feeder-Queen“, wie sie in den Medien getauft wurde.

Boden weiß, dass sie und ihre acht Mitarbeiter einen wichtigen Job im größten deutschen Universalhafen machen. Sie sind dafür verantwortlich, dass die Feederverkehre reibungslos ablaufen. Und das unter erschwerten Umständen: Denn die Weltwirtschaftskrise hat gerade im Segment der Zubringerverkehre für sehr viel Unruhe gesorgt. Und dabei haben es die kleineren Einheiten in der Rangordnung fast schon traditionell schwer.

„Erst kommt das Großcontainerschiff, dann kommt der Feeder, dann werden Überstunden abgebaut, und dann kommt das Binnenschiff“, beschwerte sich ein Hafenmanager eines deutschen Inlandterminals einmal. Das war natürlich etwas überzogen, aber im Kern richtig. „Ich sage immer, klein, aber fein. Ohne die Feeder gibt es in einem Hafen auch keine Großcontainerschiffe. Beide leben in einer Art Symbiose miteinander“, lautet Bodens tiefe Überzeugung.

Frühe Berufung

Hafen und Schifffahrt haben die junge Frau schon während ihrer Schuljahre interessiert. Ein Studienfreund ihres Vaters machte sie in der wichtigen Phase der Berufswahl auf die Möglichkeiten in diesem Bereich aufmerksam und sprach gleich die Empfehlung für den Studienort aus: die Seefahrtschule Elsfleth.

Nach einigem Abwägen entschied sich Boden: Ich studiere Seeverkehrswirtschaft und Hafenwirtschaft in Elsfleth. Im Sommer 2002 ging es los. Schnell war für sie klar: Ich habe das Passende und den richtigen Studienort gewählt. In der 5000-Einwohner-Stadt gibt es zwar keine schillernde Kultur- und umfangreiche Freizeitwelt. „Aber man lernt an dieser Einrichtung sehr viel. Alles läuft sehr familiär ab. Man hat kurze Wege zu den Professoren. Elsfleth war damit optimal für mich.“

Während der Semesterferien vertiefte sie ihre theoretischen Kenntnisse durch Praktika bei verschiedenen Reedereien in Hamburg, wo sie in der Gefahrgutabteilung arbeitete. Dieses Thema hatte sie – trotz der komplizierten Regelwerke – schon früh interessiert. Die Aufgabe war spannend.

Die ehrgeizige, zielorientierte Frau fiel auf. Und so dauerte es nicht lange, bis ihr angeboten wurde, dort auch das Praxissemester zu verbringen und die Diplomarbeit zu schreiben. Die guten Leistungen wurden mit einem Zuckerl belohnt: einer Rundreise Europa-Fernost an Bord des Containerfrachters „Colombo Express“.

Zwei Monate war sie auf See. „Das war ein Schlüsselerlebnis für mich“, sagt sie heute. Den weiteren Kurs hatte Julia Boden bereits in ihre Berufsseekarte eingezeichnet. Erfolgreicher Studienabschluss im Sommer 2006 in Elsfleth und übergangsloser Einstieg in die Arbeitswelt.

Die selbstbewusste Frau war wählerisch. Das Angebot, das ihr Hapag-Lloyd machte, überzeugte sie nicht. Sie entschied sich daher für die HHLA, wo sie in der Schiffsplanung arbeiten sollte. Das Thema hatte sie bereits während ihres Studiums interessiert. Gerne wäre sie auch Schiffsplanerin in einer Reederei geworden. Doch dafür wäre ein reines Nautikstudium Voraussetzung gewesen. Dann eben Schiffsplanung aus der Sicht eines Terminalbetreibers, sagte sie sich. Ihre Wirkungsstätte wurde das Container Terminal Tollerort, die kleinste Anlage der insgesamt drei HHLA-Containerterminals in Hamburg.

An der Tätigkeit faszinierten sie neben der Teamarbeit auch der intensive Umgang mit moderner Technik und die greifbaren Erfolge „Es ist einfach ein schönes Gefühl, wenn man hinterher sagen kann: Das Schiff, das jetzt nach Hongkong fährt, hast du mit durchgeplant.“

Der Umgang mit den komplexen Containersystemen bereitete ihr viel Freude, und sie übernahm gerne Verantwortung. Für ein paar Monate wechselte sie zum benachbarten Container Terminal Altenwerder, dem mit Abstand modernsten Terminal im Hamburger Hafen. Mit ihrer Arbeitsweise fiel Boden auch dort auf. Was es im Einzelnen ist, sagt sie, „weiß ich eigentlich nicht. Vielleicht ist es mein Streben, ein 100-prozentiges Ergebnis abzuliefern.“ Jedenfalls wurde ihr im Juni 2009 angeboten, die neue FLZ als Betriebsleiterin zu führen. Da musste sie nicht lange überlegen. Das Projekt war ihr bereits bekannt. Und die Aussicht darauf, eine Pionieraufgabe zu übernehmen, erschien ihr mehr als verlockend.

Anfang März 2009 war die FLZ bereits an den Start gegangen. Für Julia Boden war der Arbeitsbeginn trotz der guten Vorbereitung trotzdem ein „Kaltstart“. Sechs Wochen Jahresurlaub in einem Stück lagen hinter ihr. Eine große Aufgabe und noch mehr Verantwortung vor ihr. Doch sie meisterte alles mit Bravour, „auch und gerade dank meiner tollen Kollegen“, sagt sie anerkennend. Die meisten von ihnen kannte sie bereits und wusste daher, was sie von jedem Einzelnen erwarten konnte.

Leistung für die Kunden

Boden versteht die Einrichtung als Servicezentrum. Sie spricht von Kunden und meint damit die Kapitäne der Feederschiffe, die Reeder, die Terminals und viele andere an der Ladungskette Beteiligte. Kundenzufriedenheit ist für sie ein Schlüsselwort. Von ihren Mitarbeitern erwartet sie daher unbedingte Kundenorientierung. Sie weiß, dass die Hafenwelt auf sie und das FLZ schaut.

Ihre Zwischenbilanz nach einem guten halben Jahr: „Wir haben mit Leistung überzeugen können. Wir haben das Vertrauen unserer Kunden gewonnen, und das ist wichtig.“ Sich nun auszuruhen verbietet sich. „Wir haben noch viel vor uns“, betont sie.

Über ihre weitere berufliche Zukunft macht sie sich keine Sorgen, aber sie hat klare Ziele. „Ich trage gerne Verantwortung und möchte daher auch in entsprechende Führungsbereiche aufrücken.“ Trotz des ausgefüllten Arbeitslebens achtet Julia Boden darauf, das ihr „Lebensgleichgewicht“ erhalten bleibt.

Das Motorradfahren erlernte sie 2009 und erfüllte sich damit einen Traum aus Jugendtagen. Tiefe Entspannung und Ausgleich findet sie beim Malen. Da kann es schon mal passieren, dass das Licht in ihrer Wohnung erst spät gelöscht wird. Dass sie am nächsten Morgen trotzdem als Erste in der FLZ ist, ist für sie trotzdem selbstverständlich. DVZ 30.1.2010 (eha)

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