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Von Kerstin Kloss
"Man muss für diesen Job geboren sein. Der eher raue Umgangston wird sich nie ändern", ist Susanne Stück überzeugt. Die Geschäftsführerin des Hamburger Warenumschlag- und Lagereiunternehmens TCO Transcargo GmbH trägt Nadelstreifen, Goldschmuck und Pastellfarben. Ihr dreigeteilter Arbeitsbereich zeigt eine unverkennbar weibliche Handschrift. Geräumiges Büro mit PC-Arbeitsplatz, funktionale Teeküche mit Displays für Marketingmaterial, Besprechungsecke mit Couchgarnitur. Alles bepflanzt und sonnendurchflutet.
Draußen verladen kräftige Kerls in strapazierfähigen Sicherheitsklamotten mit Gabelstaplern Kartons und Kisten in Lkw. Das Unternehmen leitet die 47-Jährige jetzt seit mehr als zehn Jahren an der Seite des geschäftsführenden Gesellschafters Ingo Zemelka.
Im Stadtteil Wilhelmsburg betreibt TCO auf 100.000 Quadratmetern zwei flutsicher eingepolderte Logistikterminals. Auf dem Firmengelände stehen 15 Hallen mit 50.000 Quadratmetern elektronisch gesicherter Lagerfläche. Um alle Warenarten bis hin zu kompletten Fabrikanlagen bewegen zu können, ist der Umschlag- und Lagereibetrieb mit drei 50-Tonnen-Container-Reachstakers sowie Staplern für 2,5 bis 36 Tonnen Ladelast und 1,5-Tonnen-Elektrostaplern ausgerüstet. "Einmal haben wir ein zerlegtes Kernkraftwerk aus Polen eingelagert", erinnert sich Susanne Stück.
"In der Anfangszeit habe ich selber Ware auf Paletten kommissioniert", sagt die zupackende Hamburgerin, die schon als Kind am Afrikaterminal stand und von der Hafenwirtschaft fasziniert war.
Vater HHLA-Vorstand
Vom Elternhaus vorbelastet - Mutter Schifffahrtskauffrau, Vater HHLA-Vorstand - entschied sie sich nach dem Abitur zu einer Ausbildung als Schifffahrtskauffrau beim Schiffsmakler Paul Günther. Seit Anfang der 80er-Jahre arbeitete sie dann in der Import-Abteilung für die Reederei Hapag-Lloyd. Dort lernte sie Zemelka kennen, der 1991 TCO gründete.
Als frisch gebackene Jungunternehmerin arbeitete sie zunächst zwei Jahre am Burchardkai, dem größten Containerterminal im Hamburger Hafen. "Als damals einzige Frau lernte man sich durchzusetzen und dem Hafenjargon zu trotzen", erinnert sie sich.
1993 bezog sie in der Bauphase auf dem Grundstück in Wilhelmsburg vorläufig ein Containerbüro. "Ich habe morgens Brote für die damals zwölf Mitarbeiter geschmiert", schmunzelt die TCO-Chefin heute. Ihr Arbeitstag begann morgens um 6 Uhr und endete oft erst gegen 21 Uhr. Das war die Zeit, als zwei 6000 Quadratmer große Lagerhallen neu errichtet wurden und die Jahreskapazität noch bei 4000 TEU lag.
Erster Kunde Woolworth
"Es mussten sämtliche operativen Abläufe koordiniert und eine eigene Lagersoftware entwickelt werden", beschreibt Susanne Stück die dringlichsten Aufgaben am Anfang. Es galt, die rasch wachsenden Anforderungen der Kunden umzusetzen. Der erste war der Einzelhandelskonzern Woolworth.
Längst sind Discounter wie Aldi und Lidl hinzugekommen. Für deren Non-Food-Bereich holt TCO die Seecontainer aus Fernost im Hamburger Hafen ab. Im eigenen Offenen Zolllager erledigt der Dienstleister unter anderem sämtliche Zollformalitäten mit dem elektronischen Verfahren Atlas - ein Spezialgebiet des Unternehmens.
Die europaweiten Services umfassen die komplette Logistikkette. Außer dem Container-Trucking entlädt TCO die Ware, kommissioniert sie und versendet sie an die Empfänger.
Nachtschichten
Besonders im Gedächtnis geblieben ist Susanne Stück eine Lieferung von 300.000 Paar Schuhen aus China. "In der Sohle war ein Stoff enthalten, der hier nicht verkauft werden darf. Das erfuhren wir, kurz bevor die Ware in die Läden kommen sollte", erinnert sie sich. 150 Arbeiter haben Tag und Nacht in Handarbeit die Sohlen ausgewechselt. Das Motto "Wir machen alles möglich" ist also keine Worthülse.
Ein typischer Arbeitstag der bescheiden-nüchternen Vorzeige-Hanseatin sieht anders aus. "Er beginnt damit, sich über das anstehende Tagesgeschäft zu informieren", holt sie aus. Sie muss sich vor allem über die aktuellen Regularien und EU-Normen auf dem Laufenden halten und viele spontane Entscheidungen treffen.
"Zu jeder Zeit muss ich den kompletten Überblick behalten", betont sie. Stellt sich zum Beispiel beim Öffnen eines Containers heraus, dass die Kartons darin nass oder stark beschädigt sind, muss sie blitzschnell richtig handeln.
In der Anfangszeit passierte es schon Mal, dass Anrufer sie für die Sekretärin hielten. Auch heute könne sich noch nicht jeder Mann vorstellen, dass eine Frau eine Palette packt oder Gabelstapler fährt. "Als Frau steht man mehr unter Beobachtung", resümiert die TCO-Chefin ihre Erfahrungen in der Männer dominierten Hafenwirtschaft - nicht ohne einen Anflug der ihr eigenen Fröhlichkeit.
Woran es liegt, dass es nur so wenige Frauen bis ganz nach oben schaffen? "Frauen haben meistens andere Ziele", meint sie nachdenklich. Sie selbst hat keine Familie gegründet, es habe sich nicht ergeben. Seit elf Jahren begleitet Susanne Stück stattdessen ihre treue Golden-Retriever-Hündin Lena. (Ersterscheinung: DVZ-Printausgabe 26.4.2007)
Zur Person
Nach dem Abitur 1980 machte die gebürtige Hamburgerin eine Ausbildung zur Schifffahrtskauffrau. Sie war die erste Angestellte von TCO. Nach drei Jahren erhielt sie Prokura, nach fünf Jahren stieg sie in die Geschäftsleitung auf. Ihre Arbeitswoche hat seit 16 Jahren mindestens 60 Stunden. "Erfolg kommt nicht von selbst, man muss hart dafür arbeiten und vor allem durchhalten", sagt sie.
Das Unternehmen
TCO Transcargo GmbH - Das inhabergeführte Umschlag- und Lagereinunternehmen in Hamburg-Wilhelmsburg ist heute einer der größten Mittelstandslogistiker im Hamburger Hafen. Jährlich transferiert TCO 35.000 TEU oder pro Tag bis zu 100 TEU. 60 Prozent davon entfallen auf den Import, 40 Prozent auf den Export. Zu den Dienstleistungen des vor 16 Jahren gegründeten Unternehmens gehören Lager-, Verpackungs- und Transportlogistik. Das Firmengelände mit zwei zusammen 100.000 Quadratmeter großen Mehrzweckterminals im Hamburger Hafen hat eigenen Gleis- und Wasseranschluss. 15 Lagerhäuser bieten 50.000 Quadratmeter Fläche unter Dach. TCO beschäftigt 114 Personen und bildet 14 Azubis in drei Berufen aus.
Fotos: Grundt





