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Stoßstange an Stoßstange fahren Lastwagen täglich über Frankfurt (Oder) nach Osten oder Westen. Mussten sich die Fahrzeuge in Polen jahrelang über Landstraßen quälen, freuen sich Spediteure und Firmen über das neue Teilstück zwischen der deutschen Grenze bei Frankfurt (Oder) und Nowy Tomysl, etwa 50 km vor Posen (Poznan). "Es bringt eine deutliche Zeitersparnis", sagt Jürgen Voigt, Niederlassungsleiter der Spedition Alblas in Jacobsdorf (Oder-Spree). Auch wenn die Laster noch nicht bis Warschau durchfahren können, sei die Autobahn schon jetzt ein entscheidender Vorteil. "Die meisten polnischen Wirtschaftszentren können schneller erreicht werden; die Rücktour geht rascher."
Von Berlin bis Posen dauert es nur noch drei statt früher knapp fünf Stunden. Es reduzierten sich Kosten für die Spediteure, sagt Robert Bachorski, Sprecher des Deutsch-Polnischen Business-Clubs. Zudem fühlten sich die polnischen Firmen besser an Westeuropa angebunden. Der kulturelle Austausch zwischen beiden Ländern komme voran, die Autobahn verbessere das Image seines Landes. "Wie die Universität Viadrina hat die Autobahn eine Brückenfunktion." Das Teilstück, das direkt an die deutsche A12 bei Frankfurt anschließt, gehört zur polnischen Autobahn A2, die nach Zentralpolen führt.
In Westpolen zieht sich die nagelneue Trasse durch Felder und Kiefernwälder. Ab und an werben Schilder für Tankstellen, Nachtclubs und Wechselstuben. Im vergangenen Dezember übergeben, dauern die Bauarbeiten entlang der Trasse an. Tank- und Rastplätze entstehen. Noch sind die Mauthäuschen zu, wird der Verkehr daran vorbeigeleitet. Vom 21. Mai an wird eine Gebühr fällig, rechtzeitig vor der Fußball-WM in Polen und der Ukraine.
"Die neue Autobahn wird sich bemerkbar machen, noch mehr, wenn sie Mitte 2012 komplett ist", sagt Klaus-Dieter Martens, Geschäftsführer des Verbandes Verkehr und Logistik Berlin Brandenburg. Dass Maut fällig wird, dürfte die Firmen nicht mehr stören. Wer wegen der Maut auf Landstraßen ausweiche, spare zwar Geld, sei aber länger unterwegs. Das hätten viele Betriebe erkannt. "Der Unternehmer hat unterm Strich nichts gespart. Die Zeit spielt eine große Rolle."
Auch Spediteur Voigt weiß das. Ihn interessiert, wie viel Maut auf ihn zukommt. "Spediteure müssen lange verhandeln, da ist ein Vorlauf günstig", sagt er. Offizielle Angaben zur Maut gibt es noch nicht, von fünf Cent pro Kilometer ist die Rede. Voigt muss für die Gebühren zunächst in Vorleistung gehen. Auf einem vergleichbaren Teilstück des gleichen Betreibers in Richtung Osten müsse ein Lkw dreimal 63 PLN (rund 14 EUR) berappen, berichtet Voigt.
Die A2 vernetzt Ostbrandenburg und Westpolen stärker, meint Mario Quast, Leiter des Deutsch-Polnischen Kooperationsbüros der Sparkassen in Frankfurt (Oder). Doch sei die Trasse von Berlin bis Warschau noch nicht durchgängig befahrbar, sagt er. "Etwa 50 bis 60 Kilometer vor Warschau gibt es wieder Staus. Es fehlt ein Ring, wie um Berlin, damit sich der Verkehr verteilen kann." Dieser sei geplant. Bis er gebaut sei, bleibe die Situation dramatisch, da der Verkehr "unaufhörlich" wachse.
Nach Angaben des Bundesamtes für Güterverkehr gehört der einstige Autobahn-Grenzübergang an der A12 zu den drei in Deutschland am stärksten frequentierten Übergängen für den Straßengüterverkehr. 2010 passierten 2,64 Mio. Fahrzeuge die Oder. Das sind 10,2 Prozent mehr als im Jahr davor, hieß es.






