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Zehn mutmaßliche somalische Piraten müssen sich wegen Angriffs auf den Seeverkehr und erpresserischen Menschenraubs vor dem Hamburger Landgericht verantworten. Sie sollen den Hamburger Frachter "Taipan" am Ostermontag 2010 vor der Küste Somalias unter Waffengewalt gekapert haben. Die Staatsanwaltschaft forderte in ihrem Plädoyer am vergangenen Mittwoch Haftstrafen zwischen vier und elfeinhalb Jahren.
Die beiden Anwälte eines 27 Jahre alten Angeklagten erhoben in ihrem Plädoyer Vorwürfe gegen Staatsanwaltschaft und Gericht: "Ich habe Zweifel, ob Sie ein gerechtes Urteil fällen können", sagte ein Verteidiger. Die Lebensumstände seines Mandanten in dem durch einen Bürgerkrieg völlig zerrütteten Somalia seien nicht ausreichend beachtet worden.
Vor allem die Staatsanwaltschaft habe nach Ansicht des Anwalts wenig Respekt gegenüber den Angeklagten gezeigt. Sein während des Prozesses ergrauter Mandant habe schon vor seiner Festnahme unter schweren Depressionen gelitten, ausgelöst durch die extremen Gewalterfahrungen in seinem Heimatland. Der Somalier sei als gebrochener Mann vor Gericht erschienen, der psychisch und physisch am Ende sei.
Hinzu komme, dass während des gesamten Verfahrens kein Sachverständiger und kein Zeuge aus Somalia gehört worden sei, obwohl Verteidiger das immer wieder gefordert hatten. "Eine europäische Sichtweise bestimmte den Prozess", sagte der Anwalt. Ein konkretes Strafmaß forderten er und der zweite Verteidiger des 27-Jährigen nicht.
Das Gericht will am Mittwoch, dem 73. Verhandlungstag, über die Anträge entscheiden. Sollten sie abgelehnt werden, sind weitere Plädoyers geplant. (dpa)





