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Im bundesweit ersten Piraten-Prozess in Hamburg sollen alle zehn angeklagten Somalier nach dem Willen der Staatsanwaltschaft ins Gefängnis geschickt werden. Die Anklage forderte in ihrem Plädoyer Haftstrafen zwischen vier und elfeinhalb Jahren für die mutmaßlichen Seeräuber. Die schwer bewaffneten Männer sollen am Ostermontag 2010 das Hamburger Frachtschiff "Taipan" vor der Küste Somalias beschossen und gekapert haben. Die 15-köpfige Besatzung wurde Stunden später von einem niederländischen Marinekommando befreit, niemand wurde verletzt.
Oberstaatsanwältin Friederike Dopke sprach am Mittwoch - dem 71. Verhandlungstag - von einer "hochprofessionellen und quasimilitärischen Tatbegehung", mit der die Angeklagten unter anderem den Kapitän in Todesgefahr gebracht habe. Allerdings berücksichtigte sie auch die schwierigen Verhältnisse für die mutmaßlichen Piraten im bürgerkriegsgeplagten Somalia. Unter anderem wegen der Kriegswirren war es auch schwierig, das Alter der Angeklagten zu bestimmen.
Die Somalier haben sich nach Ansicht der Staatsanwaltschaft eines Angriffs auf den Seeverkehr und erpresserischen Menschenraubs schuldig gemacht. Sieben der zehn Männer sollten nach dem Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden, forderte Dopke - und zwar zu Haftstrafen zwischen sieben und elfeinhalb Jahren. Bei den drei weiteren Angeklagten verlangte Dopke eine Jugendstrafe zwischen vier und fünfeinhalb Jahren. Alle Haftbefehle sollten aufrechterhalten werden. Die Angeklagten sitzen seit mehr als 21 Monaten in Auslieferungs- und Untersuchungshaft.
Handelten die Täter unter "Zwang"?
Neun der zehn Somalier haben ihre Beteiligung an dem Überfall eingeräumt. Einige haben allerdings behauptet, sie seien unter Zwang dazu gebracht worden, die "Taipan" zu entern. Ein mutmaßlicher Pirat etwa erklärte, er sei auf dem Meer entführt und zu dem Seeräuber-Angriff gezwungen worden. Dopke wertete diese Aussage als "abenteuerliche Geschichte" - schließlich gebe es genug Somalier, die wegen der aus ihrer Sicht unvorstellbar guten Bezahlung geradezu darauf drängten, bei einem solchen Überfall mitzumachen.
Wer allerdings die Schüsse auf den Hamburger Frachter abgegeben hat, habe sich nicht klären lassen, sagte die Oberstaatsanwältin. Mit Sturmgewehren war die Brücke des Schiffes beschossen worden: "Die Geschosse drangen sogar wie Butter durch die aus Stahl gefertigten Wände." Nur durch Umsicht und Glück sei die Crew auf der Brücke nicht verletzt worden. Die Besatzung konnte sich dann in einen besonders gesicherten Raum retten. Es handele sich wohl um den ersten Fall, bei dem ein Schiff, das bereits in der Gewalt von Entführern war, befreit werden konnte, sagte Dopke. Den Schaden für die Hamburger Reederei Komrowski bezifferte sie auf mehr als 1 Mio. Euro.
Der Prozess vor dem Hamburger Landgericht läuft bereits seit 14 Monaten. An den nächsten Terminen werden nun zahlreiche Plädoyers der Verteidigung erwartet. Den zehn Angeklagten stehen 20 Pflichtverteidiger zur Seite. (dpa)
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