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In Griechenland haben landesweite Streiks gegen das Sparprogramm der Regierung und eine Rentenreform weite Teile des öffentlichen Lebens lahmgelegt. Sämtliche Fährverbindungen von der Hafenstadt Piräus zu den Inseln der Ägäis fielen am Donnerstag aus. U-Bahnen und Busse in Athen fuhren nicht. Alle staatlichen Behörden wie Ministerien, Museen und Steuerämter waren geschlossen. Es war der sechste große Streik seit Jahresbeginn in Griechenland. Umfragen zeigen jedoch: Die Griechen glauben nicht, dass es einen anderen Weg aus der Krise gibt, als zu sparen.
Das von Cosco privat betriebene Containerterminal ist vom Streik nicht betroffen. Der Schienengüterverkehr wird auch kaum behindert, weil dieser Verkehrsträger für Fracht in Griechenland kaum genutzt wird.
Das Programm der Regierung zur Abwendung eines Staatsbankrotts sieht unter anderem einen Einstellungsstopp im öffentlichen Dienst und Gehaltskürzungen für Beamte sowie erhebliche Einsparungen im Sozialbereich vor. Das Rentenalter wird von heute im Durchschnitt 61,4 auf 65 Jahre erhöht. Das Parlament hatte am Vorabend das Gesetz grundsätzlich gebilligt. Am Donnerstag wurden die Details des Gesetzes zur Rentenreform erörtert und am Abend mehrheitlich vom Parlament gebilligt.
Ausschreitungen in Athen
Am frühen Nachmittag demonstrierten nach Gewerkschaftsangaben rund 10.000 bis 15.000 Menschen im Zentrum Athens gegen die Sparmaßnahmen - deutlich weniger als erwartet worden waren. Die Polizei schätzte die Zahl der Protestierer auf knapp 10.000. Die Demonstranten zogen vor das Parlamentsgebäude. Sie skandierten "Hände weg von unseren Renten" und beschimpften die Abgeordneten als "Diebe" und "Lügner". Autonome Demonstranten griffen mit Faust- und Knüppelschlägen einen Passanten an, den sie für einen Polizisten in Zivil hielten. Der Mann wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Er war am Abend nach Angaben der Ärzte außer Lebensgefahr. Auch in der Hafenstadt Thessaloniki und anderen Städten des Landes gab es kleinere Demonstrationen.
Wegen eines vierstündigen Streiks der Fluglotsen mussten Dutzende Flüge gestrichen werden. Im Radio und Fernsehen gab es keine Nachrichten, weil auch die Journalisten die Arbeit niedergelegt hatten. Ärzte in öffentlichen Krankenhäusern behandelten nur Notfälle. Sogar das Parlament musste am Donnerstag wegen der Beteiligung seiner Angestellten am Streik mit einer Notbesetzung arbeiten.
Zu den Streiks haben die beiden größten Gewerkschaftsverbände GSEE und ADEDY aufgerufen. Nach einer in der Athener Zeitschrift "Epikaira" veröffentlichten repräsentativen Umfrage meinten rund 70 Prozent der Befragten, die Demonstrationen würden nichts bringen. Der einzige Weg, den Bankrott des Staates abzuwenden, sei die Umsetzung der Sparmaßnahmen, die die Europäische Union, die Europäische Zentralbank und der internationale Währungsfonds verordnet haben. (dpa/kou)






