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Stärke, Nationalität und Gesundheitszustand der Mannschaft seien noch unklar, sagte der Sprecher des Nato-Marine-Hauptquartiers, Kommandeur Chris Davies, am Samstag im britischen Northwood der Deutschen Presse-Agentur (DPA). Die acht vermutlich somalischen Seeräuber hätten noch keinen Kontakt nach außen aufgenommen.
Die Piraten hatten die „Charelle“ nach Angaben des Internationalen Schifffahrtsbüros (IMB) am Freitagnachmittag rund 50 Kilometer südlich der Küstenstadt Ras Al Marakah in ihre Gewalt gebracht. Ein Nato-Schiff in der Nähe habe zu dem Zeitpunkt nicht eingreifen können, weil es mit dem Sultanat kein entsprechendes Abkommen geschlossen habe, sagte Davies. Ein spanisches Schiff sei erst vor Ort gewesen, als die Piraten das Schiff bereits in ihrer Kontrolle hatten. Die EU-Marinemission Atalanta werde das gekaperte Schiff nun im Auge behalten, aber nicht einschreiten.
Die Besitzverhältnisse der „Charelle“ sind unterdessen noch nicht vollständig geklärt. Das Schiff fahre unter der Flagge von Antigua und Barbuda und werde von einer Reederei in Neuseeland betrieben, sagten der Nato-Sprecher und ein Atalanta-Sprecher übereinstimmend. Der Besitzer Tarmstedt International sei im Inselstaat Samoa registriert. Informationen darüber, dass diese Firma einer deutschen Reederei gehört, konnten sie nicht bestätigen.
„Angriff in neuer Qualität“
Der Angriff habe eine neue Qualität erreicht, sagte der Nato-Sprecher. „Das ist ein ziemlich ungewöhnlicher Angriff, den es so zuvor nicht gegeben hat“, sagte Davies. Die Piraten seien äußerst brutal vorgegangen und hätten erstmals in Gewässern des Oman ein Schiff gekapert. Aus rechtlicher Sicht sei es kein Piratenangriff, sondern ein bewaffneter Überfall gewesen. Die Täter würden im Fall einer Festnahme als Räuber angeklagt und hätten mildere Strafen zu erwarten.
Seit Monaten versucht die internationale Gemeinschaft weiter südlich, am Horn von Afrika der steigenden Zahl von Piratenüberfällen Herr zu werden. Auch Deutschland ist mit zwei Fregatten an der Mission beteiligt. Insgesamt sind in dem Seegebiet mehr als 40 Kriegsschiffe gegen Piraten im Einsatz.
Das deutsche Containerschiff „Hansa Stavanger“ befindet sich seit mehr als zwei Monaten in Piratenhand. An Bord waren auch fünf Bundesbürger, als das Schiff am 4. April rund 400 Seemeilen vor der Küste Somalias überfallen wurde.
Diskussionen deutscher Ministerien
An dem Fall „Hansa Stavanger“ war eine grundsätzliche Diskussion zwischen dem Auswärtigen Amt, dem Verteidigungs- sowie dem Bundesinnenministerium entbrannt. Weil die Bundesregierung sich sträubt, weiterhin mit hohen Millionenzahlungen Schiffe aus der Hand von Piraten freizukaufen, wurde ein Einsatz der Eliteeinheit GSG 9 erwogen. Doch angesichts eines zu hohen Risikos für die 24-köpfige Besatzung und die Polizisten sowie wegen Sicherheitsbedenken der USA wurde der Einsatz der sich bereits in Kenia befindenden Elitetruppe abgeblasen. (dpa)





