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Piraterie vor Ostafrikas Küste

Funkstille auf gekapertem Frachtschiff

14.06.2009 | Die Entführer des Frachtschiffs „Charelle“ lassen die Marine weiter im Unkaren. Derweil ist nicht eindeutig, welcher Nationalität das gekaperte Schiff ist.

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Die acht vermutlich somalischen Seeräuber hätten bislang weder Forderungen gestellt noch über den Gesundheitszustand der Mannschaft informiert, sagte der Sprecher des Nato-Marine-Hauptquartiers, Kommandeur Chris Davies, am Sonntag im britischen Northwood der Deutschen Presse-Agentur (DPA). Sie hätten per Funk noch keinen Kontakt nach außen aufgenommen.

Mehr als zwei Tage nach der Kaperung vor der Küste des Sultanats Oman habe das Schiff nun somalische Gewässer erreicht. Es sei mit sieben Knoten relativ langsam unterwegs. Stärke der Mannschaft und Herkunft der Crewmitglieder seien noch unklar.

Die Seeräuber hatten die „Charelle“ nach Angaben des Internationalen Schifffahrtsbüros (IMB) am Freitagnachmittag rund 50 Kilometer südlich der Küstenstadt Ras Al Marakah in ihre Gewalt gebracht. Ein Nato-Schiff in der Nähe habe zu dem Zeitpunkt nicht eingreifen können, weil es mit dem Sultanat kein entsprechendes Abkommen geschlossen habe, sagte Davies. Ein spanisches Schiff sei erst vor Ort gewesen, als die Piraten das Schiff bereits in ihrer Kontrolle hatten. Die EU-Marinemission Atalanta werde das gekaperte Schiff nun im Auge behalten, aber nicht einschreiten.

Unklare Besitzverhältnisse

Die Besitzverhältnisse der „Charelle“ sind unterdessen noch nicht vollständig geklärt. Das Schiff fahre unter der Flagge von Antigua und Barbuda und werde von einer Reederei in Neuseeland betrieben, sagten der Nato-Sprecher und ein Atalanta-Sprecher übereinstimmend. Der Besitzer Tarmstedt International sei im Inselstaat Samoa registriert. Informationen darüber, dass diese Firma einer deutschen Reederei gehört, konnten sie nicht bestätigen.

Der Angriff habe eine neue Qualität erreicht, sagte der Nato-Sprecher. „Das ist ein ziemlich ungewöhnlicher Angriff, den es so zuvor nicht gegeben hat“, sagte Davies. Die Piraten seien äußerst brutal vorgegangen und hätten erstmals in Gewässern des Oman ein Schiff gekapert. Aus rechtlicher Sicht sei es kein Piratenangriff, sondern ein bewaffneter Überfall gewesen. Die Täter würden im Fall einer Festnahme als Räuber angeklagt und hätten mildere Strafen zu erwarten.

Seit Monaten versucht die internationale Gemeinschaft weiter südlich, am Horn von Afrika der steigenden Zahl von Piratenüberfällen Herr zu werden. Auch Deutschland ist mit zwei Fregatten an der Mission beteiligt. Insgesamt sind in dem Seegebiet mehr als 40 Kriegsschiffe gegen Piraten im Einsatz. (dpa)

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