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Der Traum ist Jahrzehnte alt: Afrika soll eine Wirtschaftsgemeinschaft werden, im Idealfall so wie die EU - ohne Zölle, mit freiem Warenverkehr und offenen Grenzen. "Ein großer gemeinsamer Markt von Kairo bis Kapstadt": So beschrieb Tansanias Präsident Jakaya Kikwete kürzlich die Zukunftsvision einer kontinentalen Freihandelszone (CFTA). Aber die Wirklichkeit sieht bisher anders aus, denn in kaum einem Teil der Welt siecht der Binnenmarkt so dahin wie in Afrikas Regionen.
Beim jährlichen Gipfeltreffen der Afrikanischen Union (AU) in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba, der am Sonntag eröffnet wurde, soll der Traum nun in erreichbare Nähe rücken. "2017" heißt das Ziel. "Wenn der Aktionsplan und die Roadmap wie geplant umgesetzt werden, dann erwarte ich, dass sich der innerafrikanische Handel innerhalb eines Jahrzehnts verdoppeln wird", sagt der Vize-Vorsitzende der AU, Erastus Mwencha. Aber die Hürden, die derzeit noch im Weg stehen, sind hoch.
Erst kürzlich wurden wieder neue Verhandlungen aufgenommen, um wenigstens drei der acht sich mehrfach überlappenden Wirtschaftsgemeinschaften, EAC, SADC und Comesa im Osten und Süden Afrikas, zusammenzuführen. Aber trotz zahlloser Konferenzen, Bündnisse und Verträge beträgt der innerafrikanische Handel laut der Afrikanischen Entwicklungsbank gerade mal zwölf Prozent (2010). Selbst für das einzige Schwellenland des Kontinents, Südafrika, ist Afrika wirtschaftlich wenig bedeutend: Über 85 Prozent des Handels wird außerhalb des Kontinents abgewickelt.
Kampf gegen Armut
Eine Wirtschaftsgemeinschaft wäre für den Kontinent deshalb ein entscheidender Schritt im Kampf gegen die Armut und für eine nachhaltige Entwicklung. Denn auch für die Wirtschaft in Südostasien, Europa oder Nordamerika spielen die jeweils eigenen Regionen eine überragende Rolle.
"Der AU-Gipfel wird einerseits einen Aktionsplan diskutieren, mit dem der innerafrikanische Handel angekurbelt werden soll, und andererseits den Startschuss für die Schaffung der kontinentalen Freihandelszone geben", sagt Stephen Karingi, der Direktor der Abteilung für Regionale Integration, Infrastruktur und Handel der Afrikanischen Wirtschaftskommission (UNECA). Ziel sei es unter anderem, in Zukunft mehr Waren und nicht nur Rohstoffe in die Welt zu exportieren.
Denn der oft bejubelte afrikanische Wachstumsboom der vergangenen Jahre hat vor allem eine Wurzel: Er speist sich zu mehr als zwei Dritteln aus dem Export von Rohmaterialien wie Öl, Uran, Titan, Kupfer oder Gold. Es gibt zwar auch eine bescheiden gestiegene Binnennachfrage in Afrika, aber einer wirklichen Wirtschaftsblüte, die auch der notleidenden Mehrheit der Afrikaner zu Gute käme, stehen gravierende Probleme im Weg.
Wenige Eigenprodukte
Vor allem gibt es zu wenig Eigenproduktion. Dankbar füllen vor allem die Importeure aus Asien die Regale afrikanischer Warenhäuser mit Laptops, Handys, Kleidung, Töpfen, Werkzeugen, Fernsehern oder Fertiggerichten. Von Maschinenbau und anderen Großindustrien ganz zu schweigen.
Der Anteil der Industrieproduktion am Bruttosozialprodukt in Afrika sank in den vergangenen 20 Jahren sogar von 15 auf zehn Prozent, berichtete 2010 die Afrika-Kommission. Im gleichen Zeitraum stieg er in Asien von 23,5 auf 30 Prozent. "Aber es gibt bereits Bestrebungen für Reformen in der Wirtschaftspolitik, um das richtige Umfeld für die Entwicklung des Privatsektors zu schaffen und Investitionen zu steigern", sagt Mwencha. "Beides sind Schlüsselpunkte, um Waren sowohl für den afrikanischen wie auch für den globalen Markt herzustellen."
Eine andere Barriere für den Handel sind die miserablen Verkehrswege. Es fehlen Handelsstrukturen und Lager, Lastwagen, Eisenbahnen und Straßen, eigentlich alles, was den Handel befördert. "Und wo es doch Straßeninfrastruktur gibt, verlieren die Händler meist viel zu viel Zeit an den Grenzstationen", erläutert Karingi. All dies führt dazu, dass selbst Staaten mit viel fruchtbaren Böden wie Nigeria, Mosambik oder Simbabwe nach wie vor Lebensmittel importieren müssen - oder am Tropf internationaler Lebensmittelhilfe hängen.
Straßenverbindungen geplant
Allerdings gibt es Bemühungen und konkrete Projekte, um die Infrastruktur zu verbessern, darunter den geplanten "Trans-West African Coastal Highway" von Mauretanien bis nach Nigeria sowie den "Nordkorridor", der Ländern ohne Zugang zum Meer - wie Burundi, Ruanda und Uganda - den Zugang zum kenianischen Hafen Mombasa ermöglichen soll.
Afrika besitzt alles, was Asien auch hat: Billige Arbeitskräfte, viele Rohstoffe, gute Böden, potenzielle Märkte - und einen Plan. Noch aber fehlen die politischen Strukturen, die Investition der Erlöse aus den Rohstoffgeschäften in die Infrastruktur und Bildung der Länder, um es den "asiatischen Tigern" gleichzutun. "Aber wir können alles erreichen, wenn der politische Wille da ist", sagt Kikwete. (dpa)






