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Der über 22 Meter lange und 45 Tonnen schwere Waggon war bereits am Montag vom Görlitzer Werk des Schienenfahrzeugherstellers Bombardier Transportation per Schwerlasttransport auf den Weg nach Parchim gegangen, wo er in den frühen Morgenstunden des Mittwochs ankam, wie eine Bombardier-Sprecherin sagte. Vor den Augen neugieriger Zaungäste am Airportgelände wurde das Fahrzeug dann mit zwei Kränen auf eine Rampe gehoben und auf Gleisen per Winde Stück für Stück unter der hochgeklappten Bugnase der Antonow AN-124 hindurch in den Bauch des riesigen Transportfliegers gezogen.
Die blau-weiß lackierte Antonow aus der Ukraine, die am Abend abheben sollte, wird am Donnerstag nach knapp zehn Stunden Flugzeit in der indischen Hauptstadt erwartet. Für eine 60 Kilometer lange neue Metrostrecke in Delhi, auf der mit bis zu vier Millionen Fahrgästen täglich gerechnet wird, baut Bombardier insgesamt 106 Züge mit 424 Wagen. 36 Wagons werden in Görlitz montiert. Bis auf die ersten vier sollen sie aber per Schiff nach Indien befördert werden. Für das Gros der Produktion mit einem Gesamtvolumen von 514 Mio. Euro hat Bombardier ein neues Werk in Indien errichtet.
Bereits am Freitag solle der zweite Wagon in Parchim in die Luft gehen, zwei Wochen später die letzten beiden, teilte ein Mitarbeiter des Flughafens mit. Die teure, aber schnelle Luftfracht des ersten Metrozuges der neuen Serie begründete Stephan Krenz, Geschäftsführer von Bombardier Transportation, mit geplanten Testfahrten in Indien. Der Zug solle rasch aufs Gleis gestellt werden, um in Delhi Erfahrungen zu sammeln und Ergebnisse der Tests in den weiteren Bau der neu konstruierten Metro-Flotte ?Movia? einfließen lassen zu können, sagte er.
Neuer Eigentümer
Auch der vor zwei Jahren erneut privatisierte Flughafen Parchim will mit dem Umschlag der U-Bahn neu durchstarten. Erst im Oktober hatte der chinesische Eigner Jonathan Pang den Linien-Frachtbetrieb mit China Southern Airlines zwischen Parchim und Zhengzhou (Provinz Henan) eröffnet. Seinen Plänen zufolge soll sich die mecklenburgische Kleinstadt zu einem Luftfracht-Drehkreuz zwischen Asien und Europa entwickeln. Doch die Finanzkrise mache auch um das Frachtgeschäft keinen Bogen, so ein Flughafenmitarbeiter. 2008 fertigte der Airport eigenen Angaben zufolge 76 Cargoflieger mit zusammen 3550 Tonnen Fracht ab.
Der Kreis südöstlich der Landeshauptstadt Schwerin versuchte jahrelang, den einst von den Russen militärisch genutzten, defizitären Flughafen zu verkaufen. Seine Vorteile sind eine drei Kilometer lange Landebahn und 24-Stunden-Flugerlaubnis, Airport und Gewerbeflächen zusammen messen 820 Hektar. In den 1990er Jahren scheiterte eine Privatisierung an die britische Wiggins-Gruppe. 2007 unterschrieb Pang als Chef des chinesischen Transportunternehmens LinkGlobal den Kaufvertrag. 2008 erwarb die australische Immobiliengruppe Goodman 53 Hektar Gewerbeflächen für Logistikanlagen. Als Kaufpreis überwiesen die Australier im vergangenen Sommer die seit einem Jahr fällige erste Rate für den Flugplatz von 13 Mio. Euro. Bis Ende 2009 sind die übrigen 17 Mio. Euro fällig. (dpa)


