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„Frauen sind Organisationstalente und deshalb die besseren Logistiker“, findet Dagmar Wäscher. Für diese These ist die quirlige 56-Jährige selbst das beste Beispiel. Berufsausbildung, Job, Studium, Kinder – alles hat die Dortmunderin gewuppt, meistens nicht in der gewohnten Reihenfolge, oft parallel. Die Vorsitzende des Bundesverbands der Transportunternehmen (BVT) tanzt im Geschäfts- und Privatleben gern mal „gegen die Regeln“, gesteht sie.
1979 lernte sie ihren Mann kennen und dadurch auch die Transport- und Logistikbranche: Der Schwiegervater fuhr für eine Spedition Stückgut. Vor 25 Jahren gründete das junge Paar sein eigenes kleines Transportunternehmen. Der Rückblick fällt nüchtern aus – „familiäre Bande“ veranlassten Wäscher zum Brancheneinstieg. „Man hat sich damit arrangiert und irgendwann war es Normalität und hat auch Spaß gemacht“, resümiert sie. Heute betreibt ihr Mann die Firma, während sie ihre Energie und Zeit überwiegend in die Verbands- und Projektarbeit steckt. Gemeinsam teilen sie unter anderem ein Hobby – seit fast 20 Jahren tanzen sie.
Beruf bildet
Als frischgebackene Logistikerin hatte Wäscher damals schon einiges zuwege gebracht: Nach einer kaufmännischen Ausbildung arbeitete sie als Verwaltungsangestellte, bevor sie sich mit einer Partnerin im Einzelhandel selbstständig machte. Auf dem zweiten Bildungsweg machte sie das Abitur und fing ein wirtschaftswissenschaftliches Studium an, als sie längst den Transportbetrieb hatte.
Dagmar Wäscher tanzt geschäftlich und privat
gern mal „gegen die Regeln“. (Foto: Hinrich Franck)
Zum BVT kam sie 1991 als Gründungs- und Vorstandsmitglied sowie Geschäftsführerin, seit 1996 ist sie außerdem Vorsitzende. „Wenn ich noch einmal von vorn anfangen könnte mit dem Verband, würde ich es ganz anders machen“, meint sie heute. „Ganz naiv war die Gründung des Verbands nur für Paketdienst-Unternehmer“, gibt sie zu. Schneller Lernerfolg: Alle kleinen Transportunternehmer, die von großen Logistikdienstleistern oder Speditionen abhängig sind, stecken in der gleichen Situation wie ein Kep-Dienstleister.
Die Satzungen wurden geändert, die Zielgruppe auf Transportbetriebe allgemein erweitert. „Der Aufbau des Verbands bis zur professionellen Arbeit hat zehn Jahre gebraucht“, sagt die Vorsitzende. In ihrer Führungsposition bei den BVT-Mitgliedern akzeptiert zu werden fand sie allerdings „überhaupt nicht kompliziert“. Länger gedauert habe es bei den männlichen Kollegen der anderen Verbände.
Frauen in der Logistik sind ein Lieblingsthema von Dagmar Wäscher. Dazu leitete sie unter anderem Projekte am Rhein-Ruhr-Institut in Duisburg, das der Uni Duisburg-Essen angeschlossen ist, etwa zur „Qualifizierung für Binnenschifferinnen“. Außerdem befasst sie sich in Publikationen mit der Gender-Thematik. „Ich war erstaunt, dass es sehr viele Frauen in der Logistik gibt, aber nicht in den Führungsetagen“, fasst sie zusammen. Letzteres überrascht sie nicht, denn Männer förderten Männer, nicht Frauen. Ihre Recherchen bestätigten, dass Frauen eher in kaufmännischen Berufen zu finden sind sowie bei den geringfügig Beschäftigten, zum Beispiel im Lagerbereich oder im Versandhandel. Oft suchen sie sich Bereiche mit niedrigen Verdienstmöglichkeiten.
„Die Frau ist im Zweitberuf tätig und bringt ein bisschen Geld dazu, um den Lebensstandard zu heben. Ich dachte, das hätten wir hinter uns gelassen, aber es ist nicht so“, konstatiert die Verbandsvorsitzende. Teilzeit gearbeitet hat sie selbst aber auch schon. Mit Kindern und Haushalt seien solche Beschäftigungen wichtig. Sie sollten aber flexibler werden: „Drei Tage in der Woche anstatt drei Stunden jeden Tag“, regt sie an.
Großer Altersunterschied
Dagmar Wäscher weiß, wovon sie spricht; sie ist früh Mutter geworden. Ein Sohn ist heute 38, der andere 27. Bei dem Älteren unterstützten sie ihre Mutter und Großmutter, bei dem Jüngeren ihr Mann. Wegen des großen Altersunterschieds hatte sie nie zwei kleine Kinder auf einmal zu umsorgen, das habe die Organisation etwas erleichtert.
Junge Frauen ermuntert sie ausdrücklich zu einer Karriere in der Logistikbranche. „Sie sollten aber robust sein, einen rauen Ton vertragen und sich durchsetzen können“, warnt sie. Dank dieser Eigenschaften passiert es, dass Wäscher heute noch hin und wieder selbst einen Lkw fährt. „Wenn ganz dringend jemand gebraucht wird, bin ich die Notfrau“, sagt sie. Dann liefert die BVT-Chefin auch schon mal Päckchen aus. (DVZ 6.2.2010)
Zur Person
Dagmar Wäscher (56) wechselte aus typisch weiblichen Berufen in die Logistikbranche, als sie ihren Mann kennenlernte. Seit 15 Jahren ist sie Vorsitzende des BVT. Im Rhein-Ruhr-Institut arbeitet sie an Logistikprojekten mit.
Die Organisation
Der Bundesverband der Transportunternehmen e.V. (BVT) in Dortmund hat knapp 500 Mitgliedsfirmen. Das sind kleinere Betriebe mit überwiegend eigenen Fahrzeugen. Gegründet wurde der Verband Ende des Jahres 1991.
