-Anzeige-
Riesige technische Anlagen warten in Einzelteile zerlegt darauf, für den Transport nach China in eine Kiste zu kommen. Durch die Hallen weht der Duft von französischer Seekiefer für die Holzverpackungen. Männer bedienen Kräne, die bis zu 50 t heben, die zierliche Frau in schwarzer Tunika fällt auf. Maria Klein-Schmidt ist seit fünf Monaten Geschäftsführerin der Anton Klein Industrieverpackungen + Logistik GmbH in Hennef bei Bonn.
Ihr doppelter Allerweltsname, für den die 45-Jährige praktische Gründe nennt, verrät Traditionsbewusstsein und Bodenständigkeit. Nur „Klein“ hätte sie wegen der Kinder als nicht passend empfunden. Andererseits sei ihr der Bezug zu dem mittelständischen Familienbetrieb wichtig gewesen. Maria Klein-Schmidt ist alles andere als abgehoben.
Essen prägt fürs Leben
Der häusliche Mittagstisch, an dem sie mit den Eltern und später auch mit dem elf Jahre jüngeren Bruder saß, hat sie fürs Leben geprägt. Bei den gemeinsamen Mahlzeiten war die Firma so oft Thema, dass sich die Erstgeborene – anders als der Nachkömmling – damit „verwoben“ fühlt. Ihr Vater, den sie im Ort den „Kisten-Tünn“ nennen, hat den Betrieb mit heute 70 Mitarbeitern 1972 gegründet. „Ich habe ein großes Verantwortungsbewusstsein. Die Vorstellung, dieses Unternehmen aus der Familie zu geben, ist mir nie gekommen“, sagt Klein-Schmidt.
Entspannendes Hobby: Maria Klein-Schmidt
bindet Sträuße aus Feldblumen. (Foto: Maria Maßfeller)
Als der Firmeninhaber einen Gleichgewichtssturz hat, steigt die pflichtbewusste Tochter 1993 ein. Auf einen Generationswechsel war ihre geradlinige Ausbildung seit jeher ausgerichtet. Nach dem Abitur am Gymnasium Hennef wechselte sie nahtlos an die Uni Köln, die sie als Diplom-Kaufmann verließ.
Dass sie bei ihrem akademischen Grad die männliche Form bevorzugte, liegt wohl auch am Kaufmann Anton Klein, der ihren Weg geprägt hat. „Ich wollte, dass der Vater stolz auf mich ist, und in seine Fußstapfen treten. Das zu leugnen, wäre geschwindelt“, sieht Klein-Schmidt heute klar. Der Patriarch hält auch mit 76 noch an seinem Geschäftsführerposten fest. Dennoch ist er für die Katholikin ein Vorbild – von dem sie sich distanziert durch ihr häufig verwendetes „der Vater“ statt „mein Vater“.
Das langjährige CDU-Mitglied hat zu Hause von Ausschusssitzungen erzählt, Politik sei immer Thema gewesen. Gegenüber dem Geschichtsleistungskurs muss sich die Jugendliche für ihre politische Position, die sie vom Vater übernommen hat und mit der sie ziemlich allein dasteht, verteidigen. „In den siebziger, achtziger Jahren war es nicht gerade en vogue, in einer konservativen Partei zu sein. Ich habe es trotzdem gemacht“, sagt die Vorzeigetochter, die früh lernt, für ihre Überzeugungen einzustehen.
Die harte Schule soll sich auszahlen. Als CDU-Kommunalpolitikerin wird Klein-Schmidt später direkt zur Ratsfrau gewählt – in einem Bezirk, der seit Jahren von einem älteren Vertreter der Gegenpartei besetzt war. Weil sie irgendwann eine Personalentscheidung ärgert, gehört sie zu den Gründern einer Freien Wähler Union. Persönlicher Triumph: Der Vater folgt ihr zu den „Unabhängigen“.
Aus der aktiven Politik hat sie sich längst zurückgezogen. Eine äußere Zäsur bedeutete die Geburt ihrer heute neun- und elfjährigen „Jungs“, innerlich rückte sie stärker ab. „In der Politik geht es mir zu wenig um die Sache. Ich suche mir lieber andere Bereiche, wo ich was bewegen kann, aber Eitelkeiten keine Rolle spielen“, erklärt sie. Seit 2004 engagiert sie sich deshalb im Bundesverband Holzpackmittel, Paletten, Exportverpackung (HPE) in Bonn, inzwischen als Beirätin für die Region Nordrhein.
Unter den 20 HPE-Beiräten fällt Maria Klein-Schmidt als eine von drei Frauen auf. Dass der Verband so stark männlich orientiert ist, findet sie schade. Denn sie hält viel davon, dass Frauen auf allen Ebenen vertreten sind. Sie selbst sorgt dafür, dass im eigenen Betrieb nicht nur die Geschäftsführung paritätisch besetzt ist, sondern auch die Stufe darunter mit kaufmännischer Leiterin und Produktionschef.
Quote gewünscht
Früher fragte sich Maria Klein-Schmidt: Wofür eine Frauenquote? Aber mit der Zeit habe sie ihr konservatives Gedankengut der Realität angepasst. Nicht zuletzt durch die Quotenregelung sei in der Politik manch eine weit gekommen, eine Bundespräsidentin hätte sich die emanzipierte Rheinländerin auch gewünscht. Heute befürwortet sie ein Gleichstellungsgesetz für die Wirtschaft. „Ich denke, es wäre wichtig, dass es eine Frauenquote gäbe bei Führungspositionen in Unternehmen“, formuliert sie mit Bedacht. In Aufsichtsräten hält sie das, wie öffentlich diskutiert, aber nicht für nötig: „Da wird ohnehin mehr abgenickt als alles andere“, sagt sie etwas schärfer.
Über solche Themen denkt sie nach, wenn sie sonntagmorgens allein in Wanderschuhen über die Wiesen streift, um sich durchzulüften. Sie sammelt dann Feldblumen für ihre Schatzkiste daheim. (DVZ 10.7.2010)
Zur Person
Bevor Maria Klein-Schmidt (45) im Familienbetrieb anfing, arbeitete sie drei Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni Göttingen. Als Rentnerin würde sie gern Psychologie studieren.
Das Unternehmen
Die Anton Klein Industrieverpackungen + Logis tik GmbH in Hennef verpackt und transportiert Maschinen, Anlagen sowie Schwer- und Gefahrgut. Zur Firma gehören 11000m2 Hallenfläche und 15000 m2 Freigelände.
www.anton-klein.de
