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Kabinettsbeschluss

Lang-Lkw werden ab Frühjahr auf deutschen Straßen getestet

So sieht das Lang-Lkw-Straßennetz auf Autobahnen noch im Referentenentwurf zur Regierungsverordnung aus. Eine endgültige Streckenversion will der Bund Anfang 2012 vorlegen. (Grafik: DVZ unter Verwendung von Kartenmaterial des ADAC)

Von Max-Morten Borgmann, Berlin

09.11.2011 | Der umstrittene Test mit gut 25 Meter langen Lkw soll im Frühjahr auf deutschen Straßen beginnen. Die Bundesregierung hat am Mittwoch eine entsprechende Ausnahmeverordnung gebilligt.

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Im nächsten Frühjahr werden die ersten gut 25 Meter langen Lkw-Kombinationen trotz heftiger Kritik über deutsche Straßen rollen. Fünf Jahre lang will die Regierung in einem Feldversuch testen, ob sich der Einsatz lohnt. Die Bundesregierung billigte eine entsprechende Ausnahmeverordnung, die am 1. Januar in Kraft tritt, sagte eine Sprecherin des Bundesverkehrsministeriums am Mittwoch.

Im Frühjahr dürften die ersten der insgesamt 400 Lkw dann tatsächlich unterwegs sein. Bundestag und Bundesrat müssen dem Versuch zwar nicht zustimmen - aber mehrere Länder sperren sich gegen den Test, darunter Nordrhein-Westfalen mit seinem dichten Autobahnnetz.

Nur sieben Länder haben ihre Zustimmung gegeben: Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg, Sachsen, Thüringen, Hessen und Bayern. Sachsen-Anhalt toleriert den Test zwar, gibt aber deutlich weniger Strecken frei. Wo die Länder nicht zustimmen, da sollen auch keine Lang-Lkw auf den Autobahnen fahren. So stehe es in der Ausnahmeverordnung, sagte die Ministeriumssprecherin.

Regionale Tests

Zwar sei der Bund berechtigt, auch auf diese Autobahnen zuzugreifen - man setze aber auf Kooperation. Allerdings liefen bereits regional begrenzte Tests - sogar in Ländern, die den großen Feldversuch ablehnen, etwa rund um den Duisburger Hafen. Deswegen hoffe man, dass noch weitere Länder den Tests zustimmen. Ein vollständiges Streckennetz werde es erst zum Januar geben.

Kritiker sehen große Gefahren für den Straßenverkehr. "Wir befürchten, dass es noch mehr Unfälle auf den Straßen gibt", sagte der niedersächsische Landeschef des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), Michael Frömming. Schon das Überholen dürfte riskanter werden - die Lkw-Kombinationen sind bis zu 6,50 Meter länger als bisher zugelassen.

Deswegen dürfen laut Ministerium nur Fahrer mit mindestens fünf Jahren Berufserfahrung hinterm Lkw-Steuer sitzen, die nicht mehr als drei Punkte in Flensburg aus ihrem Konto haben. Außerdem sollen die Lastwagen trotz ihrer Größe das heute vorgeschriebene Höchstgewicht von 44 Tonnen nicht überschreiten.

Weniger CO2

"Es wird keine Sechzigtonner, keine 'Gigaliner' oder 'Monstertrucks' geben", sagte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU). Dennoch sollen sie im Verhältnis rund 20 Prozent weniger Sprit verbrauchen und weniger CO2 ausstoßen. "Wo heute drei Lkw pro Tag unterwegs sind, sind es im Feldversuch nur zwei Lang-Lkw."

Die Autoindustrie spricht bei den "Öko-Lastern" sogar von bis zu 30 Prozent Kraftstoff- und CO2-Ersparnis. "In den kommenden fünf Jahren können die Lang-Lkw zeigen, dass sie einen wichtigen Beitrag für nachhaltigen Güterverkehr leisten", sagte der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann.

Gerade dadurch sieht VCD-Mann Frömming den Eisenbahngüterverkehr in Gefahr. "Ziel muss es sein, mehr Güter auf die umweltfreundliche Schiene zu bringen." Aber durch niedrigere Kosten vergrößerten die Lang-Lkw die Kluft zwischen Bahn und Straße. Die Folge: Noch mehr Güter würden von der Schiene auf die Straße verlagert. "Das kann nicht Sinn einer guten Verkehrspolitik sein."

"Keine Rückverlagerung"

Dies sei auch nicht das Ziel, heißt es aus dem Ministerium in Berlin: "Der Einsatz von Lang-Lkw darf nicht dazu führen, dass eine Rück-Verlagerung des Ladungsaufkommens von der Schiene auf die Straße erfolgt."

 Weitere Informationen zum Thema finden Sie auch in unserem DVZ-Hintergrund "25-Meter-Lkw"

 

(dpa)

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