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Luftverkehr

Europas Fluggesellschaften stellen sich auf Sinkflug ein

Im Schlepptau: Der Luftfahrtverband Iata fürchtet, dass die Staatsschuldenkrise in Europa massiv auf die Konjunktur und das Geschäft der Fluggesellschaften durchschlägt. (Bild: Fraport)

07.12.2011 | Das nachlassende Wirtschaftswachstum macht den Fluggesellschaften zu schaffen. Die Weltluftfahrt-Organisation IATA zeigt in ihren Prognosen besonders für Europa ein pessimistisches Szenario auf. Und die ungelösten Probleme der Staatsschuldenkrise könnten alles noch schlimmer machen.

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Für Europas Fluggesellschaften droht 2012 ein heftiges Jahr zu werden. Die Staatsschuldenkrise dürfte die Branche mit Größen wie Lufthansa, Air France-KLM, British Airways und Ryanair tief in die roten Zahlen reißen, wie der Chef der Weltluftfahrt-Organisation Iata, Tony Tyler, am Mittwoch in Genf ankündigte. Weltweit dürften sich die Gewinne der Fluggesellschaften auf 3,5 Mrd. US-Dollar (2,6 Mrd. Euro) halbieren. Tyler warnte gar vor Verlusten in Milliardenhöhe, sollte sich die Schuldenkrise zu einer neuen Bankenkrise ausweiten.

Die Aktien der Fluggesellschaften reagierten weitgehend negativ auf die Nachrichten. Titel der Lufthansa, Air France-KLM, Ryanair, Easyjet und der British-Airways-Mutter IAG rutschten ins Minus.

"Das größte Risiko für die Gewinne der Fluggesellschaften im nächsten Jahr sind die wirtschaftlichen Turbulenzen, falls die Regierungen die europäische Staatsschuldenkrise nicht lösen", sagte Tyler. Doch auch wenn eine Bankenkrise ausbleibe, werde Europa um eine kurze Rezession nicht herumkommen. Den europäischen Gesellschaften drohe in diesem "besten Fall" ein Verlust von 600 Mio. Dollar.

Emissionsrechtehandel als weitere Belastung

Neben dem nachlassenden Wirtschaftswachstum machen den Gesellschaften in Europa die Ticketsteuern in Deutschland und anderen Staaten zu schaffen. Ab Januar kommen voraussichtlich neue Kosten für Emissionsrechte hinzu, die die EU für Flüge in und aus der Union verlangen will. Die Iata rechnet zu Beginn mit Kosten von 1,2 Mrd. Dollar. Mittelfristig könnten es bis zu 4 Mrd. Dollar jährlich werden. Außerdem dürften die Ausgaben für Kerosin weiter in die Höhe klettern.

Für den Fall einer neuen Bankenkrise beschrieb Tyler ein Horrorszenario: Mit 8,3 Mrd. Dollar müssten die Fluggesellschaften in aller Welt dann den höchsten Verlust seit der Wirtschaftskrise 2008 verkraften. Davon müssten die europäischen Gesellschaften voraussichtlich gut die Hälfte tragen. Kein Unternehmen käme ungeschoren davon, schätzt der Verband. "Der Wirtschaftsabschwung wird die Billigflieger ebenso treffen wie die klassischen Linienfluggesellschaften", sagte Iata-Chefökonom Brian Pearce.

Im zu Ende gehenden Jahr liefen die Geschäfte noch deutlich besser - wenn auch nicht ungetrübt. Die Gewinnprognose für 2011 hielt der Verband mit 6,9 Mrd. Dollar aufrecht. Bei Europas Fluggesellschaften dürften die Überschüsse mit 1,0 Mrd. Dollar jedoch geringer ausfallen als bislang angekündigt. Zulegen konnten voraussichtlich die Fluggesellschaften in Nordamerika und Asien, denen die Iata auch für das kommende Jahr die größten Gewinne voraussagt.

Umsatzanstieg erwartet

Über eine nachlassende Nachfrage nach Flugtickets können sich Fluggesellschaften dabei kaum beklagen. Für 2011 erwartet die Iata weltweit ein Passagierplus von 6,1 Prozent, etwas mehr als zuletzt angepeilt. Für das nächste Jahr sagt der Verband nun ein Wachstum von vier Prozent voraus. Der Umsatz der Branche soll - sofern die schwere Krise ausbleibt - um 3,7 Prozent auf 618 Mrd. Dollar wachsen. Die Lufthansa hat angesichts der Aussichten bereits ihre Wachstumspläne für den Winter zusammengestrichen. Air Berlin fährt das Flugangebot sogar zurück und verkleinert die Flotte.

Im Frachtgeschäft ist die schwächere Wirtschaft bereits deutlicher zu spüren. Für 2011 sagt die Iata ein Minus von einem halben Prozent voraus. Für 2012 erwartet der Verband eine Stagnation beim Frachtaufkommen. Das Frachtgeschäft gilt als Frühindikator der Wirtschaftsentwicklung. Wenn die Fracht zurückgeht, deutet dies auf einen bevorstehenden Abschwung in der Gesamtwirtschaft hin. (dpa)

 Für weitere Informationen beachten Sie bitte auch unseren DVZ-Hintergrund "Wirtschaftskrise"

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