-Anzeige-
Zusammengebrochen ist nicht nur der Transportmarkt für spanisches Gemüse, seit deutsche Großhändler und Handelsketten ihre Importe weitgehend eingestellt haben. Auch die niederländischen Erzeuger und Frischelogistiker sind massiv betroffen. Der Verband Transport en Logistiek Nederland (TLN) ist schon dabei, den wirtschaftlichen Schaden seiner Mitglieder zu berechnen, meldet die DVZ-Schwesterpublikation "Nieuwsblad Transport".
Importverbote für EU-Gemüse
Seit Donnerstag lässt auch Russland kein Gemüse aus der EU mehr über seine Grenzen. Der Sprecher des russischen Außenministeriums Alexander Lukaschewitsch sagte zur Begründung, die EU gehe bei der Eindämmung des Ehec-Ausbruchs nicht konsequent genug vor. Die europäischen Hygienevorschriften hätten sich als unwirksam erwiesen.
Auch die Vereinigten Arabischen Emirate erklärten einen Einfuhrstopp für Gurken aus Deutschland, Spanien, Dänemark und den Niederlanden. Dubai dehnte den Bann auch auf Salat und Tomaten aus. Saudi-Arabien erwägt ebenfalls Einfuhrbeschränkungen für Gemüse aus Europa.
Die spanischen Produzenten sind inzwischen durch umfangreiche Tests der Bonner Prüfungsgesellschaft für Lebensmittelsicherheit QS Qualität und Sicherheit GmbH entlastet worden. Weder auf Ware der Vertriebsgesellschaft Campiña Verde noch der Kooperative Costa de Almeria wurden Ehec-Erreger gefunden.
Der Bundesverband Güterverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) sieht sich bereits in der Pflicht, vor zusätzlichen Hygiene-Auflagen für die Branche zu warnen, solange Unklarheiten über die Infektionsquelle und die Verbreitung des Ehec-Erregers bestünden.
Schon 2002 sei auf Initiative des Transportgewerbes hin die "Leitlinie für eine gute Hygienepraxis beim Lebensmitteltransport" eingeführt worden. Danach ist der wechselweise Transport von Stoffen, die Lebensmittel nachteilig beeinflussen können, ebenso unzulässig wie die mangelhafte Transportbehälterreinigung und -desinfektion.
BGL kontra Enfit
Als plumpen Versuch "das Thema Ehec für die Ankurbelung der Geschäfte seiner Mitglieder zu missbrauchen", wertet der BLG die Äußerungen von Hans-Dieter Philipowski. Der Präsident des Europäischen Verbands zur Förderung innovativer Technologien für Reinigung, Logistikmanagement und Service für Transport- und Lagerbehälter (Enfit), hatte gegenüber der DVZ gesagt, Sammelgut-Lkw würden für Lebensmittel nicht immer ausreichend gereinigt.
"Sollte tatsächlich die Quelle der Verunreinigung bei unzureichend gereinigten Transportbehältern liegen, müssen fraglos die Hygienerichtlinien überdacht werden", meint auch der BGL. "Das hätte dann allerdings in Ruhe und mit Sorgfalt zu geschehen und nicht auf einer selbstgemachten Panikwelle." DVZ 4.6.2011
Mit Lebensmittel- und Frischelogistik befasst sich auch das aktuelle Thema der Woche auf dvz.de
Beachten Sie hierzu bitte auch unsere aktuelle Frage der Woche auf der DVZ.de-Homepage
In der DVZ vom 4. Juni 2011 finden Sie hierzu auf Seite 2 den Kommentar "Ehec infiziert Hygienedebatte" von Claus Grimm, Fachredakteur für Gefahrgut und Umwelt



