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Welche Bedeutung haben Familienunternehmen für die deutsche Wirtschaft
und insbesondere für die Logistikbranche?
Froschmayer: Familienunternehmen sind das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Die deutsche Wirtschaft ist mittelständisch geprägt, hier zeichnen sich insbesondere Familienunternehmen durch Dynamik, Innovationsfähigkeit und motivierte Mitarbeiter aus. Auch die Logistikbranche ist von vielen Familienunternehmen geprägt.
Sind Familienunternehmen aus Ihrer Sicht langfristig erfolgreicher als
Publikumsgesellschaften?
In Familienunternehmen ist es per se das höchste Ziel, das Unternehmen in
gesundem Zustand an die nachfolgende Generation zu übergeben.
Familienunternehmen zeichnen sich durch langfristiges Denken und Agilität aus,
dies steht im starken Gegensatz zum Quartalsdenken vieler börsennotierter
Unternehmen. Familienunternehmen sind gekennzeichnet durch eine hohe
Agilität und Flexibilität. Hierdurch haben Familienunternehmen einen Vorteil.
Welche wesentlichen Unterschiede gibt es zwischen beiden?
Die wesentlichen Unterschiede liegen in den Finanzierungsfragen
(Kapitalmarktzugang), Eigenständigkeit und der langfristige Strategiebildung.
Grundlage für einen gesunden Fortbestand ist eine dauerhafte und gesunde
Finanzierung. Gerade in schwierigen Zeiten hilft eine hohe Kapitalquote. Bei
Dachser liegt diese bei 40 Prozent. Die Eigenständigkeit ist durch eine
professionelle Corporate Governance gewährleistet.
Wie können sich Familienunternehmen angesichts einer zunehmenden
Internationalisierung und Globalisierung behaupten?
Es gibt bereits heute viele Familienunternehmen, die sich international
behaupten. Diese werde im allgemeinen als "Hidden Champions" bezeichnet.
Familienunternehmen die ihren Mitarbeitern Vertrauen und den nötigen Freiraum
für Kreativität lassen, sind innovativ und haben hierüber eine Chance, sich in
einer zunehmend internationalen Wirtschaftswelt zu positionieren. Das
Familienunternehmen Dachser ist beispielsweise heute international tätig und
weltweit durch 306 Standorte präsent.
Warum ist ein spezieller Governance Kodex für Familienunternehmen so
wichtig?
Der Gedanke des Corporate Governance Kodex kommt ursprünglich aus dem
Umfeld börsennotierter Unternehmen. Auch wir Familienunternehmer möchten
jedoch einen Beitrag dazu leisten, das Vertrauen in die Wirtschaft und ihre
Akteure aufrecht zu halten und auszubauen. Daher haben sich einige
Familienunternehmer in der Kommission zur Erstellung eines Good Governance
Kodex für Familienunternehmen engagiert. Ein Governance Kodex liefert wertorientierte Leitlinien für gute unternehmerische Entscheidungen.
Was zeichnet ein "generationenübergreifendes Geschäftsmodell" aus?
Die Übergabe des Unternehmens an die nächste Generation ist das Hauptziel
eines Familienunternehmens. Hierzu braucht es insbesondere eine langfristige
Strategie und gute Finanzplanung. Dies steht im Gegensatz zu der
"Quartalsdenkweise" und kurzfristigem Gewinnstreben, wie sie leider in vielen
Aktiengesellschaften der Fall ist. Statt generationsübergreifendem Wirtschaften
kann man auch von "nachhaltigem Wirtschaften" reden. Bei Dachser haben wir
eine Nachhaltigkeitsstrategie, die soziale, ökologische und ökonomische Aspekte
vereint.
Wie stellen Sie bei Dachser sicher, dass Ihr Unternehmen auch in der
kommenden Generation in Familienhand verbleibt?
Dachser ist ein gesundes Familienunternehmen, das strategisch sehr gut
aufgestellt ist. Dachser hat einen Gesellschaftervertrag geschaffen, der
garantiert, dass unser Unternehmen auch in den nachfolgenden Generationen in
Familienbesitz verbleibt. Weiterhin steht darin festgeschrieben, dass unser
Unternehmen nicht in den kommenden Generationen seine klare Struktur durch
divergierende Gesellschafterinteressen leidet. In dem Gesellschaftervertrag ist
ferner festgeschrieben, dass sowohl in der Geschäftsführung, als auch im
Verwaltungsrat mehrheitlich familienfremde Personen vertreten sein müssen.
Wie passen familienfremde Manager in das Konzept?
Bei Dachser haben wir sehr gute Erfahrungen mit Managern gemacht, die nicht
unbedingt der Unternehmerfamilie angehören müssen. Für ein Funktionieren ist
unbedingt notwendig, dass sowohl Familienmitglieder als auch familienfremde
Geschäftsführer keine Vorrechte haben. Wir haben ein fünfköpfiges
Geschäftsführungsgremium, bei dem ein Geschäftsführer Familienmitglied ist und
die Rolle des Sprechers der Geschäftsführung übernimmt. (sr)

