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DVZ-Spezial Familienunternehmen

"Der Wertekodex wird anders gelebt"

Thomas Hoyer (Bild: Hoyer)

03.08.2010 | Familienunternehmen sind das Rückgrat der Wirtschaft, und auch in der Logistikbranche ginge ohne sie wenig. Doch was macht ein solches Unternehmen und dessen verantwortungsvolle Führung aus? Die Intes Akademie für Familienunternehmen und "Die Familienunternehmer – ASU" haben dies in einem Governance Kodex festgehalten. Der Logistiker Hoyer hat mitgearbeitet, nachfolgend die Antworten von Thomas Hoyer:

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Welche Bedeutung haben Familienunternehmen für die deutsche Wirtschaft
und insbesondere für die Logistikbranche?

Hoyer: Die Bedeutung ist aufgrund des ordnungspolitischen Faktors (Marktwirtschaft!) und der absoluten Zahl außerordentlich hoch, und das sowohl für die deutsche Volkswirtschaft insgesamt (siehe z. B. Handwerksbetriebe) und die Logistikbranche (hohe Atomisierung) im Besonderen.

Sind Familienunternehmen aus Ihrer Sicht langfristig erfolgreicher als
Publikumsgesellschaften?

Man sollte sich vor Verallgemeinerungen hüten, gibt es doch solche Industrie-Ikonen wie Bayer, Siemens, Bosch, Daimler-Benz etc., die alt, erfolgreich und
Publikumsgesellschaften sind. Auf der anderen Seite bin ich schon der Meinung, dass Familienunternehmen, wenn sie richtig geführt werden (Unternehmen und Familie) langfristig erfolgreicher sind, weil sie sich, wenn der Wille vorhanden ist, kurzfristigen modischen Trends des Marktes und des Finanzmarktes widersetzen können und nicht unbedingt in Quartalsergebnissen denkend langfristiger planen können.

Welche wesentlichen Unterschiede gibt es zwischen beiden?

Der wesentliche Unterschied ist der Wertekodex, der im Rahmen eines
Generationenvertrages (dynastisches Prinzip) kulturell anders gelebt werden kann als bei einem unter dem Druck der Börse stehenden Publikumsunternehmen.

Wie können sich Familienunternehmen angesichts einer zunehmenden
Internationalisierung und Globalisierung behaupten?

Familienunternehmen können vielleicht besser sparen, Kernkompetenzen besser
definieren und dann sehr wohl Global Player werden. Ein Familienunternehmen muss allerdings auch seine Grenzen kennen. Man muss nicht in jedem Land der Erde vertreten sein.

Warum ist ein spezieller Governance Kodex für Familienunternehmen so wichtig?

Die Schwächen eines Familienunternehmens liegen sehr oft im emotionalen Bereich, d. h. z. B. dem Bauchgefühl des "sich überschätzenden" Patriarchen. Was Disziplin und Struktur betrifft, so war der Cromme-Kodex für die Familienunternehmer auf der einen Seite abschreckend, auf der anderen Seite aber auch Vorbild. Ein Governance Kodex, der neben allgemein gültigen Prinzipien in der Regel ein Maßanzug ist, dient jedem Familienunternehmen als Grundgesetz und disziplinarischer Leitfaden.

Was zeichnet ein "generationenübergreifendes Geschäftsmodell" aus?

Wenn die Familie den Willen hat, dass das Unternehmen für die nächste Generation und darüber hinaus in Familienhand bleibt, setzt das naturgemäß ein
Geschäftsmodell voraus. Dieses Geschäftsmodell ist der gemeinsame Wille, die
schriftliche Niederlegung dieses Willens, sprich Unternehmens-/Familien-Verfassung, und die Tatsache, dieses auch nach innen und außen zu leben und vorzuleben.

Wie stellen Sie bei Hoyer sicher, dass Ihr Unternehmen auch in der kommenden
Generation in Familienhand verbleibt?

Die Gesellschafter haben sich zusammengesetzt und eine Entscheidung gefällt. Diese Entscheidung ist in einer schriftlichen Unternehmens-/Familien-Verfassung
niedergelegt. Grundvoraussetzung ist eine spürbare und sichtbare Harmonie, die nicht zuletzt auf Familientagen demonstriert wird.

Wie passen familienfremde Manager in das Konzept?

Bei Hoyer besonders gut, da die Arbeitsteilung zwischen der alten Geschäftsführung (Thomas Hoyer) und der neuen familienfremden Geschäftsführung perfekt funktioniert. Eine Familienkultur kann man sehr wohl aus dem Beirat oder der Gesellschafterversammlung heraus leben. Selbst bei Größenordnungen wie BMW und Henkel ist die Handschrift der Familie noch sehr deutlich spürbar. Ein Familienpatriarch, der oft für das Unternehmen sehr wertvoll sein kann, hat gelegentlich auch Defizite wie z. B. das Lebensgefühl der Unersetzbarkeit. Ein kluger Mann hat einmal gesagt, dass frei nach der Gaußschen Normalverteilungskurve die Wahrscheinlichkeit höher sei, den Besten zu finden, wenn man aus der Gesamtbevölkerung schöpfe. Das haben wir in Bezug auf unsere Geschäftsführung jetzt getan. Die Zahlen werden besser, weil das familienfremde Management in vielen Dingen härter und konsequenter durchgreift, als das früher bei meinem Vater und mir der Fall war. (sr)

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