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Elektroantrieb und Autogas

Alternativen zu Benzin und Diesel setzen sich nicht durch

Autogas und Erdgas konkurrieren schon seit vielen Jahren mit Benzin und Diesel - mit bescheidenem Erfolg. (Foto: dpa)

Von Eckart Gienke, dpa

20.02.2012 | Die Politik setzt auf Autos mit Elektroantrieb als umweltfreundliche Alternative zum Verbrennungsmotor. Autogas und Erdgas konkurrieren schon seit vielen Jahren mit Benzin und Diesel - mit bescheidenem Erfolg.

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Die allermeisten Autofahrer in Deutschland tanken Benzin oder Diesel. Von den im Jahr 2011 knapp 43 Mio. Pkw auf deutschen Straßen sind weniger als 600 000 in der Lage, Autogas oder Erdgas zu tanken, mit Strom zu fahren oder als Hybridfahrzeug eine zusätzliche Antriebsenergie neben Benzin zu nutzen. Der Anteil alternativer Antriebe liegt bei 1,4 Prozent und damit nur unwesentlich höher als im Jahr zuvor. Das zeigen Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) in Flensburg. Von einem nennenswerten Markterfolg für gasbetriebene Autos ist nichts zu sehen.

Die jahrelange steuerliche Förderung der alternativen Antriebe ist damit weitgehend ins Leere gelaufen. Dank niedriger Steuern fällt die Tankrechnung für die Besitzer von Autogas- und Erdgasautos 30 bis 50 Prozent niedriger aus als für die geplagten Fahrer von Benzin- und Diesel-Pkw. Die haben das bisher teuerste Tankjahr aller Zeiten hinter sich und Besserung ist nicht absehbar. Die gasbetriebenen Autos sind in der Anschaffung oder Umrüstung teurer, aber ab einer jährlichen Fahrleistung von 13 000 oder 15 000 km lohnt sich rechnerisch die Anschaffung eines Gasautos spätestens nach fünf Jahren.

Ganz vorn liegt bei den alternativen Antrieben das Autogas oder LPG (Liquefied Petroleum Gas), ermittelte das Bielefelder Fachblatt "Autogas-Journal". Autogas erreicht mit knapp 460 000 Pkw fast 80 Prozent Marktanteil an den alternativen Antrieben und schaffte im vergangenen Jahr ein Wachstum von neun Prozent. Autogas ist eine flüssige Mischung aus Butan und Propan und kann in Deutschland bei mehr als 6200 Tankstellen getankt werden. Damit ist es flächendeckend verfügbar.

Das ist ein beträchtlicher Wettbewerbsvorteil gegenüber dem nächsten Konkurrenten, dem Erdgas. Mit 900 Zapfsäulen an den rund 14 700 Tankstellen in Deutschland ist es weniger verbreitet und erreicht dementsprechend einen Marktanteil von knapp 13 Prozent an den alternativen Antrieben. Die Erdgas-Wirtschaft versucht seit mehr als zehn Jahren, das Erdgas-Auto zu etablieren. Doch bis heute fahren laut KBA nur knapp 75 000 Pkw mit Erdgas.

Für den fehlenden Markterfolg finden Experten unterschiedliche Ursachen. "Es gibt immer noch zu wenig Automodelle", meint Rainer Wiek vom Energie-Informationsdienst EID. Andererseits sind einige gängige Massenautos von VW, Opel, Mercedes und Fiat als Erdgasautos erhältlich; bei Autogas ist die Auswahl noch größer. "Es gibt kein Marketing für Autogas und Erdgas", sagt Martin Steffan vom "Autogas-Journal". In anderen europäischen Ländern - zum Beispiel in Polen, Italien, den Niederlanden und der Türkei - hat Autogas weitaus größere Marktanteile gewonnen.

Die deutschen Autofahrer sind konservativ, wenn es um den Antrieb und Kraftstoffe geht - das hat zuletzt die missglückte Einführung von E10 gezeigt. Der Biosprit kommt nur langsam auf einen nennenswerten Marktanteil, obwohl er 3 Cent günstiger ist als Superbenzin.

Autogas und Erdgas haben exzellente technische Kraftstoff-Eigenschaften, sind preisgünstig, umweltfreundlich, verfügbar und sicher. Nachteil gegenüber dem Diesel- und Benzinauto ist vor allem die geringere Reichweite - aber auch ein Gasauto schafft rund 400 km.

Vor diesem Hintergrund scheint es fast verwegen, wenn die Bundesregierung bis 2020 als Ziel eine Million Elektro-Autos auf Deutschlands Straßen anstrebt. "Das wäre eine enorme Kraftanstrengung2, meint Steffan. "Innerhalb von nur neun Jahren ist das extrem ambitioniert bis unrealistisch." Bislang sind Elektro-Autos teuer, langwierig zu betanken, wenig erprobt. Und deshalb gibt es in ganz Deutschland bislang nur gut 4500 von ihnen.



Stichwort

Autogas und Erdgas

Autogas oder LPG (Liquified Petroleum Gas) ist ein Flüssiggas aus Propan und Butan, das für die Verbrennung in Automotoren optimiert ist. Es entsteht als Nebenprodukt bei der Herstellung von Benzin und Diesel in der Raffinerie und wird mit Tankwagen zu den Tankstellen transportiert. Autogas verbrennt umweltfreundlicher als Benzin; der Schadstoffausstoß von Stickoxiden liegt um etwa 20 Prozent niedriger und die CO2-Emissionen vermindern sich um rund 15 Prozent. Es ist als Kraftstoff in den meisten europäischen Ländern etabliert, mit unterschiedlichen Marktanteilen.

Der Preis für Autogas liegt in Deutschland - gemessen am Energieinhalt und je nach aktuellem Benzinpreis - um rund ein Drittel niedriger als für Benzin. Die Oktanzahl beträgt 103 bis 115 ROZ, je nach Mischungsverhältnis, und ist damit höher als bei Benzin.

Erdgas als Kraftstoff oder CNG (Compressed Natural Gas) besteht überwiegend aus Methan und wird unter wesentlich höherem Druck in gasförmiger Form über Rohrsysteme an die Tankstelle gebracht. Das ist aufwendiger und teurer als bei Autogas; dementsprechend ist die Zahl der Zapfsäulen mit 900 gegenüber 6200 bei Autogas erheblich niedriger. Erdgas wird zumeist von Gasversorgern an den Tankstellen angeboten. Es kostet im Vergleich zu Benzin ungefähr die Hälfte und weist eine Oktanzahl von 120 bis 140 ROZ auf. Der CO2-Ausstoß ist um rund 25 Prozent geringer als bei Benzin. Erdgas kann vollständig durch Bio-Methan ersetzt werden, was die Umweltbilanz nochmals entlastet.

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