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Die Lufthansa ist nach der bisher schwersten Branchenkrise in die Gewinnzone zurückgekehrt und sieht sich gut für den immer schärferen Wettbewerb am Himmel gerüstet. Der durch mehrere Zukäufe im Ausland stark gewachsene Konzern dürfte von der erwarteten Markterholung profitieren, teilte das Management um Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber am Donnerstag in Frankfurt mit.
Im zweiten Quartal verdiente die Fluggesellschaft mit dem Kranich-Logo unter dem Strich trotz der Flugausfälle wegen der Vulkanasche aus Island 194 Mio. Euro. Das ist mehr als doppelt so viel wie im Vorjahresquartal. Der Umsatz kletterte innerhalb eines Jahres um mehr als 30 Prozent auf 6,9 Mrd. Euro. Hauptgrund ist die erstmalige Einbeziehung der österreichischen Austrian Airlines und der British Midland (BMI) in die Konzernbilanz.
Der Gewinn im zweiten Quartal reichte aber noch nicht aus, um die massiven Verluste zum Jahresauftakt auszugleichen. Damals hatten unter anderem der kalte Winter und ein Pilotenstreik den Konzern belastet. Für das gesamte erste Halbjahr 2010 weist das Unternehmen daher einen Verlust von 104 Mio. Euro aus. Im Gesamtjahr soll der operative Gewinn die 130 Mio. Euro des Krisenjahres 2009 übertreffen.
LH Cargo im Plus
Im Geschäft auf den Transatlantikrouten und nach Asien sei das Niveau vor der Wirtschaftskrise wieder erreicht worden, sagte Finanzvorstand Stephan Gemkow. Auch das Frachtgeschäft, das als Frühindikator der Weltkonjunktur gilt, habe sich erfreulich entwickelt. So habe Lufthansa Cargo das beste Halbjahresergebnis ihrer Geschichte erzielt.
Sorgenkinder der Lufthansa sind die Zukäufe Austrian Airlines und BMI. Sie erlitten im ersten Halbjahr einen operativen Verlust von 70 und 93 Mio. Euro. Der Billigflieger Germanwings drückte das operative Ergebnis um 39 Mio. Euro. Lichtblick war dagegen erneut die Schweizer Swiss, die ihren operativen Gewinn binnen eines Jahres von 44 auf 54 Mio. Euro steigern konnte.
Das Sparprogramm "Climb 2011", mit dem die Kosten bis Ende 2011 um 1 Mrd. Euro gesenkt werden sollen, will das Unternehmen ohne Abstriche durchziehen. So sollen 400 Verwaltungsjobs gestrichen werden - bislang wurden davon 258 abgebaut. Mit den Gewerkschaften wurden Nullrunden vereinbart - für die Piloten über 24 Monate und für die von Verdi vertretenen Boden- und Kabinenmitarbeiter über 22 Monate. Verhandlungen mit der kleinen Spezialgewerkschaft UFO für die Kabine laufen derzeit noch.
Kritik an Luftverkehrsabgabe
Die Zahl der Mitarbeiter lag zuletzt bei rund 117.000 - das sind bedingt durch die Zukäufe etwa zehn Prozent mehr als vor einem Jahr. Bereinigt um die neuen Töchter ging die Mitarbeiterzahl aber um 2,3 Prozent zurück.
Risiken sieht das Unternehmen unter anderem durch die in Deutschland drohenden Luftverkehrsabgabe. Auch die massive Expansion von Unternehmen aus der Golfregion, die nach Einschätzung der Lufthansa ihre Kapazität überdimensioniert vergrößern, wird als Bedrohung gesehen.
Die Lufthansa-Aktie notierte am Nachmittag bei 12,50 Euro und damit 2,3 Prozent niedriger als am Vortag. Zeitweise markierte das Unternehmen damit das Schlusslicht im Börsenindex Dax. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen. (dpa)

