Share |

RFID im umfassenden Praxistest

Von Dr. Nils Meyer-Larsen

11.12.2007

-Anzeige-

Terminalbetreiber und Operateure intermodaler Containertransporte stehen vor der Herausforderung ständig steigender Transportmengen und erhöhter Anforderungen an die Sicherheit der Transportkette. Dabei können Einführung innovativer IT-Technologien wie RFID (Radio Frequency Identification) und automatische Schadensdokumentation helfen.

Das Projekt „Container Handling in Intermodal Nodes – Optimal and Secure“ (Chinos) unter der Leitung des Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL), Bremen/Bremerhaven, untersucht und erprobt die Einsatzmöglichkeiten dieser neuen Technologien entlang der intermodalen Containertransportkette.

Genormte Technik. RFID kann in Verbindung mit elektronischen Siegeln die Sicherheit erhöhen und zum anderen durch die vollautomatische Identifikation von Containern mit Hilfe von Container Tags zur Optimierung der Prozesse beitragen.

Aufgrund des weltumspannenden Containerverkehrs macht es keinen Sinn, Tests mit technologischen Insellösungen durchzuführen. Vielmehr muss die verwendete Technologie auf den weltweiten Normierungsbestrebungen basieren. So ist davon auszugehen, dass das Container-Tag als passiver Transponder im UHF-Bereich spezifiziert werden wird. Als Grundlage hierfür existiert die inzwischen veraltete Norm ISO 10374, die derzeit an aktuelle Erfordernisse angepasst wird. Das elektronische Siegel hingegen wird durch die ISO 18185 spezifiziert, die inzwischen weltweit gültiger Standard ist. Es ist bald damit zu rechnen, dass entsprechende normkonforme Hardware auf dem Markt verfügbar ist.

Vorbereitende RFID-Tests wurden jüngst im Rahmen des durch die BIS Bremerhaven aus Mitteln des Landes Bremen und die Deutsche Telekom geförderten Projektes PIER durchgeführt, welches die grundsätzliche Machbarkeit des Einsatzes von RFID an den Terminalschnittstellen des North Sea Terminals Bremerhaven (NTB) untersucht. Im Rahmen der Tests wurden mehrere bei Dettmer Container Packing (DCP) in Bremen gepackte Container mit Container-Tags versehen, mit dem Binnenschiff AVISO I (in Charter bei Trimodal Logistik, einem Unternehmen der ACOS Gruppe) zum Containerterminal nach Bremerhaven transportiert und dort entladen. Die Container-Tags wurden vor der Verladung der Container auf das Binnenschiff sowie nach dem Entladen im Containerterminal mittels eines Handheld-Lesegerätes erfolgreich ausgelesen.

13 Partner beteiligt. Ein weiterer Test betraf das Truck-Gate. Hier wurden in Kooperation mit dem Transportunternehmen Star Transportation mehrere für den Truck-Transport vorgesehene Container mit Container-Tags versehen und bei der Ausfahrt durch das NTB-Gate sowie nach der Rückkehr vom Kunden ausgelesen. Auch dieser Test verlief sehr erfolgreich. In konkreter Planung sind weitere Tests unter Einbeziehung von Bahnverkehren und systematische Untersuchungen des Ausleseverhaltens der RFID-Tags bei hohenGeschwindigkeiten.

Chinos verfolgt gegenüber dem Vorprojekt einen sehr viel weiteren Ansatz. Insgesamt 13 Partner aus Deutschland, Griechenland und Österreich, darunter die dbh Logistics IT AG, Eurogate Technical Services, i2dm Consulting and Development, Tricon Consulting, T-Systems und die National Technical University of Athens, sollen Technologie, Organisation sowie Prozess- und Systemintegration entlang der kompletten Container Supply Chain untersuchen. Praxispartner sind NTB, Polzug, Team Lines, das Cargo Center Graz aus Österreich und der Hafen Thessaloniki sowie GAC Shipping aus Griechenland. Das Projektvolumen beträgt insgesamt zirka 2,5 Mio. EUR. Während des ersten Projektjahres, das nun abgeschlossen ist, wurden fundierte Untersuchungen durchgeführt und die zu entwickelnden Systeme spezifiziert.

In der ersten Projektphase wurden zunächst die Geschäftsprozesse der beteiligten Umschlagsbetriebe in Bremerhaven, Graz, Thessaloniki und Warschau analysiert, die Testszenarien definiert und die technischen Grundlagen sowie der Stand der RFID-Standardisierung untersucht. In der anschließenden zweiten Projektphase wurden die zu entwickelnden Systeme auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse spezifiziert und die nun anstehende Entwicklungsphase vorbereitet.

Das Chinos-System wird aus vier Komponenten bestehen. Die erste Komponente, das „Automatic Container Identification Unit“, sorgt dafür, dass Container und elektronische Siegel mit Hilfe von RFID drahtlos und automatisch identifiziert werden. Die zweite Komponente namens „Damage Documentation System“ soll den Zustand der Container und etwaige Schäden unter Verwendung hochauflösender Kameras dokumentieren. Die dritte Systemkomponente, der „Chain Event Manager“, stellt eine Anwendung des Supply Chain Event Management-Ansatzes (SCEM) auf Containertransporte dar und soll die Disponenten bei der Überwachung der Transporte unterstützen. Die vierte Komponente schließlich, der „Communication Controller“, dient als zentraler Baustein zur Integration aller Komponenten.

Da ein optimales Ergebnis nur bei vollständiger Integration der neuen Technologien in die bestehenden Geschäftsprozesse erreicht werden kann, liegt hier eines der Hauptaugenmerke des Projektes. Nach Abschluss der Entwicklungsarbeiten wird das Chinos-System bei den beteiligten Umschlagsunternehmen installiert und die Projektergebnisse im Echtbetrieb durch praktische Tests validiert werden.

Schreiben Sie der Redaktion: redaktion(at)dvz.de »
#