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DIW-Studie mit überraschenden Ergebnissen

Piraterie ist ein lukratives Geschäft für viele Akteure

Eine DIW-Studie belegt, dass die Piraterie für das vom Bürgerkrieg zerüttete Somalia ein wichtiger Wirtschafts- und Stabilisierungsfaktor ist. (Bild. dpa)

Von Christine Cornelius, Berlin

21.07.2010 | Piraten machen die Küste vor Somalia unsicher. Und viele Seiten haben gar nichts dagegen, argumentiert eine neue DIW-Studie. Es gibt weniger Angriffe, als die Reeder befürchten und mehr Profiteure, als viele glauben. Wem nützt die Piraterie?

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Es klingt jedes Mal wie eine Passage aus einem Abenteuerroman. Piraten, die Schiffe kapern, Geiseln nehmen, Lösegelder erpressen. Doch hinter den Attacken vor Somalias Küste stecken knallharte wirtschaftliche und politische Interessen - und zwar nicht nur für die Piraten selbst. Das behauptet zumindest die Konfliktforscherin Anja Shortland in ihrer am Mittwoch vorgestellten Studie für das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

Von der Piraterie in einem der ärmsten Länder der Welt profitieren demnach nach vor allem die somalische Bevölkerung, die Versicherer, die Marine - und der Westen. In der ersten Jahreshälfte seien vor Somalia 27 Schiffe gekapert und 544 Geiseln genommen worden. Die Piraterie sei "ein attraktiver Job für arbeitslose Männer", sagt Shortland. Schließlich betrage das Pro-Kopf-Einkommen in dem Land jährlich weniger als 300 US-Dollar. Der geschätzte Gewinn für einen erfolgreichen Piraten liege zwischen 10.000 bis 15.000 US- Dollar pro Entführung.

Auch die somalischen Haushalte an der Küste profitierten, denn die Geiseln würden gleichmäßig auf sie verteilt. Bis die Piraten wieder hinaus aufs Meer fahren, werden ihre Boote von Sicherheitsleuten bewacht, die ebenfalls am Gewinn beteiligt werden, berichtet die Konfliktforscherin. "Es gibt Unterhändler, es gibt Übersetzer, es hat sich eine ganze Wirtschaft um diese Piraterie entwickelt." Sie sei für das vom Bürgerkrieg gezeichnete Land "ein gutes Geschäft".

Auch Versicherer profitieren

Als weiteren großen Profiteur sieht Shortland die Versicherer, die auf die Angst der Reeder vor Entführungen bauten. Diese Angst ist zwar nicht unbegründet, denn Piratenangriffe und Kaperungen kommen immer wieder vor - nach Angaben der Forscherin gab es 2008 immerhin 111 Angriffe, ein Jahr später wurden 217 gezählt. Doch verglichen mit der Zahl der passierenden Schiffe sei die Zahl der Besatzungen, die angegriffen würden oder sich bedroht fühlten, minimal.

"Die meisten Schiffe fahren da unbehelligt durch", sagt Shortland. Zudem ende nur ein Drittel der Angriffe tatsächlich mit einer Kaperung. "Wenn diese Mücke zu einem Elefanten aufgebauscht werden kann, dann haben die Versicherer wirklich gut daran zu verdienen."

Aber natürlich sind nicht alle Nutznießer: Eine Umfrage der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers unter Reedern ergab jüngst, dass die Reeder angesichts der Angst vor Angriffen immer mehr Geld für den Schutz ihrer Schiffe zahlen müssen. Drei von vier deutschen Reedern seien der Ansicht, dass vereinzelte Lösegeldzahlungen für gekaperte Schiffe das Piraterieproblem lediglich verschärft und verteuert hätten.

Alternative: Internationale Küstenwache

Das Piraten-Problem sei sogar ein gutes Geschäft für die Marine, sagt hingegen Shortland. Schließlich sei erfolgreiche europäische Zusammenarbeit "ein Erfolg in sich selbst". In Zeiten von Sparprogrammen müsse sie außerdem ihre Ressourcen verteidigen - und profitiere daher von dem Einsatz in Somalia. Deutschland beteiligt sich seit Ende 2008 an dem EU-geführten Anti-Piraten-Einsatz "Operation Atalanta".

Als langfristige Alternative eines Militäreinsatzes sieht die DIW- Forscherin eine von der internationalen Gemeinschaft bezahlte somalische Küstenwache. Sie würde jüngen Männern eine Einkommensmöglichkeit bieten. Offen bleibt fraglich, wie diese den unterschiedlichen Profiteuren schmackhaft gemacht werden könnte. (dpa)

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