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Job-Speed-Dating soll die Lücke schließen

Mehr Transporte – aber keine Fahrer

Dank der anziehenden Konjunkturlage verbessern sich auch die Jobaussichten für Fahrer wieder. (Bild: Toll Collect)

29.06.2010 | Vor einigen Monaten wurde ihnen noch gekündigt, jetzt werden sie händeringend gesucht: Lkw-Fahrer. Denn die Konjunktur zieht wieder an. In gerade einmal vier Monaten hat sich das Blatt am Fahrermarkt komplett gewendet.

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Noch Mitte Februar sagte der für den Transportbereich verantwortliche Manager eines Mittelständlers aus Süddeutschland gegenüber der DVZ: "Wir bekommen derzeit pro Woche mehr als 100 Bewerbungen." Das Problem damals: Es seien zwar gute, erfahrene Fahrer gewesen, er konnte sie aber nicht gebrauchen.

Kapazität bleibt knapp

Jetzt sieht die Situation anders aus. Denn auch fehlende Fahrer sorgen für knappe Transportkapazitäten. Wie knapp die Frachtkapazität derzeit im Markt ist, verdeutlicht das wöchentlich von der DVZ und TimoCom veröffentlichte Transportbarometer. Es zeigt aktuell 62 Prozent Ladung bei nur 38 Prozent Laderaum. In den Vorwochen war die Kapazität noch knapper.

Auf einigen Relationen ist weiterhin kaum freier Frachtraum verfügbar. Auf der Relation Deutschland – Frankreich beispielsweise entfallen aktuell von 100 bei TimoCom eingestellten Offerten 89 auf Fracht und nur elf auf freien Frachtraum. Ähnlich eng ist es von Deutschland nach Italien und nach Dänemark sowie von den Beneluxländern und Russland nach Deutschland.

Aus der Laderaumknappheit nach Frankreich schlägt Pierre
Gilleman, Inhaber des belgischen Dienstleisters Gilleman Logistics,
Kapital: Das Befrachterteam im tschechischen Cheb, direkt hinter der deutschen Grenze, schickt Lkw von Tschechien über Deutschland nach Frankreich, Spanien und Italien. Die Flotte umfasst 300 bis 400 Fahrzeuge, meist von Subunternehmern.

Hamburg: 200 Fahrer fehlen

Dem Problem des Fahrermangels versucht die Arbeitsagentur in Hamburg mit einem Job-Speed-Dating beizukommen. 75 Interessierte kamen am vergangenen Freitag zur Arbeitsagentur, um Vertreter der Firmen zu treffen. Aber: Allein in der Hansestadt fehlen rund 200 qualifizierte Fahrer, sagte Frank Wylezol, Geschäftsführer Verband Straßengüterverkehr und Logistik (VSH), gegenüber der DVZ.

Die Lage dürfte sich noch erheblich verschärfen, befürchtet Martin Bullheller, Leiter Öffentlichkeitsarbeit und Wirtschaftsbeobachtung des Bundesverbandes Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL). Denn von den heute rund 750.000 bundesweit beschäftigten Lkw-Fahrern geht bis 2020 jeder Dritte in den Ruhestand. Ausreichend Nachwuchs ist nicht in Sicht, denn die Bundeswehr, früher Ausbildungsbetrieb Nummer 1 für Lkw-Führerscheinerwerber, bildet seit Jahren immer weniger Lkw-Fahrer aus.

Die Ausbildungsbemühungen des Lkw-Gewerbes reichen nicht, sagt Wylezol weiter. Die Zahl der Ausbildungsstellen für Lkw-Fahrer müsse von gegenwärtig bundesweit rund 2000 auf 20.000 steigen, um den künftigen Bedarf zu decken. DVZ 29.6.2010 (hec/sr/kk)

In der aktuellen DVZ vom 29. Juni 2010 lesen zu diesem Thema auch den Kommentar "Mehr Fairness für die Fahrer" von Björn Helmke, Chefredakteur der DVZ, auf Seite 2

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