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Eines haben alle Fahrertrainer der Lkw-Hersteller gemein. Sie ermutigen die Teilnehmer ihrer Trainings dazu, vorausschauend und mit Köpfchen zu fahren: Vor einer Steigung soll der Fahrer voll auf das Gaspedal treten, um am Berg den Schwung auszunutzen. Vor der Kuppe wiederum – so der Rat der Experten – kann der Fuß ruhig runter vom Gas, damit der Truck das Gefälle auf der anderen Seite ausnutzt und nicht sofort kräftig eingebremst wird.
Die Datenbasis macht‘s
Genau dieser Fahrstil funktioniert prima mit dem jetzt vorgestellten, intelligenten Tempomatsystem CCAP (Cruise Control with Active Prediction) von Scania. Der Kniff dabei ist, dass die Schweden die Grundfunktion des Geschwindigkeitsreglers mit einer umfangreichen Datenbank zu den topografischen Verhältnissen sowie der GPS-Ortung verbunden haben. Somit ist das System jederzeit fast auf den Meter genau über die Beschaffenheit der Strecke informiert – also auch über Steigungen und Gefälle auf den jeweils nächsten drei voraus liegenden Streckenkilometer. Damit bleibt dem Bordcomputer ausreichend Zeit, die richtige Fahrstrategie zu berechnen und vorausschauend Gas zu geben.
So gerüstet fahren die Scania-Trucks nun auch im Tempomatbetrieb so, wie gut trainierte und nach einem langen Arbeitstag immer noch ordentlich motivierte Kraftfahrer ihren Lastwagen rein manuell gesteuert bewegen würden. Gegenüber dem unsachgemäßen Fahren mit einem konventionellen, "blinden" Tempomatsystem soll die vorausschauende Anlage zwischen einem und vier Prozent Dieselersparnis einfahren. Dabei sind die Vorteile aufgrund der fahrphysikalischen gesetzmäßigkeiten umso größer, je höher die tatsächliche Fahrzeugmasse ist.
Angesichts dieser Sparmöglichkeiten nimmt sich der Aufpreis für diese elegante Lösung vergleichsweise gering aus. In der Scania-Liste steht das System mit 500 Euro. Ob sich diese Investition lohnt, hat die DVZ bei einem ersten Fahrversuch mit einem 400 PS starken 40-Tonner im Raum Koblenz geprüft. Vor Steigungen erhöhte der "sehende" Tempomacher das Tempo um bis zu 4 Prozent. Aus dem DVZ-Marschtempo 82 km/h werden dann also kurzzeitig 85 km/h. Das recht, um den Turbolader richtig auf Touren zu bringen, um mit vollen Ladedruck die anstehende Steigung anzugehen.
Optimaler Fahrstil
Am Ende des Anstiegs kennt der Rechner dank GPS und hinterlegtem Kartensatz Art und Länge des kommenden Gefälles – ein klarer Vorteil für ortsunkundige Fahrer, besonders bei Dunkelheit. Noch weit vor der Bergkuppe fährt der vorausschauende Tempomat die Dieseleinspritzmenge sanft zurück und lässt zunächst die bewegte Fahrzeugmasse, später dann zusätzlich die Gefällekraft für sich arbeiten.
Einziger Nachteil der Öko-korrekten Fahrweise: Die Fahrer nachfolgender Trucks verstehen den "Bummelfahrstil" selten und werden regelmäßig zu Überholmanövern annimiert. Diese ziehen sich dann bis in das Gefälle hinein, wo der Scania-GPS-Tempomat aber auch gern die Früchte des "kostenfreien Tempo 89" ernten möchte. Unnötige Elefantenrennen sind die Folge. Und dann ist doch wieder der gut ausgebildete Fahrer mit Köpfchen und Sozialkompetenz gefordert: CCAP abschalten und stärker Bremsen, um die "Unwissenden" schnell passieren zu lassen. (DVZ)
Für weitere Informationen beachten Sie bitte unseren DVZ-Hintergrund "Nfz & Lagertechnik"
In der DVZ vom 8. Dezember 2011 finden Sie zu diesem Thema auch das "Stichwort" auf Seite 1 der Ausgabe


