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Der erste von bundesweit vier privat finanzierten Autobahnabschnitten ist bei Eisenach offiziell für den Verkehr freigegeben worden. Die knapp 25 Kilometer lange, sechsspurige Hörselberg-Umfahrung beseitige ein Nadelöhr auf der Ost- West-Verbindung zwischen Frankfurt am Main und Dresden, sagte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) am Dienstag in Eisenach.
Gebaut wurde die Trasse, die eine staugefährdete vierspurige Steigungsstrecke ersetzt, von der Via Solutions Thüringen GmbH, einer Tochter der Hochtief AG und des französischen Baukonzerns Vinci.
Die private Bau- und Betreibergesellschaft ist für 30 Jahre für einen insgesamt 45 Kilometer langen Abschnitts der A 4 von der hessisch-thüringischen Landesgrenze über Eisenach bis Gotha zuständig. Zur Refinanzierung der Baukosten - fast 200 Millionen Euro - sowie des Autobahnunterhalts erhält sie bis 2037 Einnahmen aus der Lkw-Maut auf dem Streckenabschnitt, der danach wieder an den Staat geht. Die Hälfte der alten Trasse durch das Naturschutzgebiet Hörselberge wurde abgerissen, die andere Hälfte dient als Ortsumgehung für Eisenach.
Thüringens Verkehrsminister Christian Carius (CDU) plädierte für die verstärkte Finanzierung von Infrastrukturvorhaben durch Öffentlich-Private-Partnerschaften (ÖPP). Der Erfolg des A-4-Projektes, das vorfristig fertiggestellt worden sei, sollte Schule machen, sagte er. Für ein zweites Projekt in Thüringen, den Ausbau eines Teilstücks der A 9 (Berlin - Nürnberg) an der Anschlussstelle "Lederhose" zur bayerischen Landesgrenze, laufe derzeit das Vergabeverfahren.
Thüringen baut Erfahrungen aus
Nach Ansicht von Carius können privat finanzierte Projekte nach entsprechender Wirtschaftlichkeitsprüfung zumindest einen Teil der staatlichen Bauvorhaben ersetzen. "Thüringen hat bereits Erfahrungen mit dem ÖPP-Modell beim Bau von Landsstraßen und bei der Sanierung des Internats am Sportgymnasium Jena gemacht."
Nach Angaben von Ramsauer umfassen die bundesweit vier Pilotprojekte ein Bauvolumen von rund 1,1 Milliarden Euro. Acht weitere ÖPP-Vorhaben mit einem Umfang von 1,5 Milliarden Euro seien bereits angestoßen. Allerdings regt sich an solchen Projekten auch Kritik. Vor allem das vom Baukunzern Bilfinger Berger betriebene Teilstück der A 1 zwischen Hamburg und Bremen gilt seit der Übernahme der Bauaktivitäten als ÖPP als permanenter Unfallschwerpunkt und Ärgernis, weil bei den eingesetzten Materialien gepfuscht wurde. Bilfinger Berger ist auch wegen des durch den Einstuz des Kölner Stadtarchivs umstrittenen U-Bahn-Baus in der Domstadt ins Gerede gekommen.
Die Hörselberg-Umfahrung der A4 konnte bereits seit Januar 2010 trotz noch vorhandener Baustellen vierspurig genutzt werden. Tausende Tonnen Material, das beim Abriss der alten Trasse anfiel, wurde nach Angaben der Projektgesellschaft für den Neubau genutzt. Via Solution ist unter anderem für Wartung und Instandhaltung und den Winterdienst auf dem Streckenabschnitt bis Gotha zuständig. (dpa/pkl)
Projektgesellschaft: www.via-solutions.de


