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Lärmbelastung an Flughäfen

Leise Landung für Frankfurt wird in Niedersachsen erprobt

Zusammen mit Air Berlin testen DLR und Flugsicherung in Braunschweig lärmmindernde Anflugoptionen. (Bild: dpa)

07.09.2010 | Mit dem Flugverkehr wächst auch der Protest gegen den Lärm: Die Satellitennavigation soll künftig helfen, zu leiseren Anflugverfahren an den Flughäfen zu kommen. Am Forschungsflughafen Braunschweig wird die Technik für den Rhein-Main-Flughafen Frankfurt erprobt.

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Der Luftverkehr wird weiter wachsen, der Fluglärm soll dagegen deutlich sinken. Die EU strebt bis zum Jahr 2020 eine Lärmreduzierung von 50 Prozent pro Flugbewegung an. "Die Senkung der Lärmemissionen ist bei uns eines der großen Ziele in der Luftfahrtforschung", sagt Professor Johann-Dietrich Wörner, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Dabei gehe es um neue Flugzeugtechnik, etwa deutlich leisere Trieb- und Fahrwerke, aber auch um leisere Anflugverfahren auf Flughäfen mit Hilfe der Satellitennavigation.

Der Flughafen Frankfurt plant solche neuen Verfahren, bei denen die Sink-Anflüge auf einer gekrümmten Fluglinie oder steiler als bisher sein sollen. Das geht mit dem üblichen Instrumentenlandesystem (ILS) nicht, weil die Maschinen hier auf einem Funk-Gleitstrahl bis zu 20 Kilometer nur geradeaus anfliegen können. Die neue Anflugtechnik ist Teil eines mit der Luftfahrtindustrie verabredeten Pakets, mit dem der deutlich wachsende Flugverkehr an Deutschlands größtem Flughafen erträglicher gemacht werden soll. Die Zahl der "Hochbelästigten" wird trotzdem steigen, wie das Frankfurter Forum Flughafen und Region (FFR) erwartet.

Mit der Satellitennavigation (englisch abgekürzt GLS) können dagegen beliebige Anfluglinien realisiert werden, erläutert DLR- Forscher Prof. Dirk Kügler. So können Städte und größere Siedlungsgebiete in Kurven umflogen werden. Erst spät drehen die Flugzeuge dann auf die gerade Landestrecke ein. So kann der Fluglärm in siedlungsschwache oder menschenleere Gebiete verlagert werden, für viele Menschen in den größeren Orten bringt das eine deutliche Lärmentlastung.

Test in Frankfurt nicht möglich

Im Frankfurter Luftraum können die neuen Anflugverfahren wegen des starken Verkehrs nicht getestet werden. Sie wurden deshalb einen Tag lang auf dem Braunschweiger Forschungsflughafen mit einer Boeing 737-700 der Fluggesellschaft Air Berlin erprobt, mit der die geplanten Frankfurter Anflüge simuliert wurden. Dabei wurde der Lärm an mehreren Standorten am Boden gemessen. Zugleich wurde untersucht, ob die Piloten durch die neuen Anflugverfahren stärker belastet werden. Die Auswertung der Testdaten wird einige Wochen dauern.

Bei dem Frankfurt-Projekt arbeitet Air Berlin mit dem DLR, der Deutschen Flugsicherung (DFS) und der Frankfurter Flughafengesellschaft Fraport zusammen. Zur Lärmvermeidung wurden in Braunschweig auch steilere Anflüge getestet. Dabei beginnt das Flugzeug den Sinkflug später und verursacht deshalb am Boden erst später Lärm. Mit gängigen Flugzeugen sind Anflugwinkel von 3,2 Prozent möglich. Das könnte theoretisch eine Lärmminderung um zwei Dezibel bringen, schätzt Kügler. Am DLR wird aber schon an noch steileren Anflügen bis zu 5,5 Prozent geforscht.

"Die Testergebnisse werden die Basis für die Genehmigung der neuen Anflugverfahren sein", sagt DFS-Geschäftsführer Ralf Riedle. Wenn alles klappe, wolle man im Dezember in Frankfurt damit starten, kündigt Fraport-Vorstandschef Stefan Schulte an. Zunächst sollen die neuen Verfahren nachts eingesetzt werden. Sie seien Teil eines Maßnahmenbündels zur Reduzierung des Fluglärms. Davon werden, so Schulte, 40 Prozent der bisher hochbelasteten Einwohner der Region profitieren, bei denen der Lärmpegel über 53 Dezibel liegt.

Signalwirkung

Schultes Ziel: Stufenweise die leiseren Anflüge auf die Tageszeit auszudehnen. Dazu müssten allerdings alle Flugzeuge mit GLS ausgestattet sein. Bisher ist das nur bei neueren Maschinen von Boeing und Airbus der Fall. "Das Frankfurter Projekt könnte Signalwirkung für andere Flughäfen haben", hofft Riedle. Dazu müssten sie in die Satellitentechnik investieren. Bisher gibt es die nur in Frankfurt, Bremen und auf dem Forschungsflughafen Braunschweig. (dpa)

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